Strelkow zur Lage

Wortmeldungen von Igor Strelkow (Oberkommandierender der Streitkräfte der Donezker Volksrepublik) zur Lage der Volksmilizen

Strelkow redet Klartext (09.06.2014)

Ich halte es für meine Pflicht zu erklären:

1. Wenn wir Waffen in Hülle und Fülle besäßen, hätte allein die Volksmiliz von Slawjansk einige tausend Kämpfer.

2. Wenn wir die Möglichkeit hätten, die Soldaten nicht nur mit Waffen (auch mit Kleidung und Schuhen) zu versorgen, sondern auch deren Familien wenigstens auf dem Niveau eines normalen Gehalts (und tatsächlich: die Leute kommen und riskieren ihr leben) finanziell zu unterstützen, dann hätten wir in Slawjansk bereits eine Division unter Waffen.

3. Wenn wir Rückendeckung hätten (und das ist für den Kampf gegen die Armee absolut notwendig), dann hätten wir bereits eine Mobilisierung, die Zehntausende Kämpfer umfassen würde – und massenhaft Leute, die bisher gearbeitet haben (und nicht auf dem Sofa liegen wie viele Bürohocker („Büro-Plankton“) in den Großstädten Russlands, die lange vergessen
haben, was Arbeit in Betrieben und Bergwerken ist).

Freiwillige gab es immer zu wenige. Mein Appell wendete sich NICHT AN DIE RUSSEN, SONDERN AN DEN DONBASS und zielte darauf, dass es etwas mehr werden – und er hat sein Ziel erreicht. Jetzt gibt es von ihnen eine Menge, aber wir haben keine Waffen, keine Schuhe, keine Uniformen, mit denen wir sie ausrüsten und einsetzen könnten.

Die Unterstützung, die jetzt aus Russland kommt, WÄRE VOR MONATEN NÖTIG GEWESEN – DANN HÄTTE SIE GROSSEN ERFOLG BRINGEN KÖNNEN. Jetzt tut sie das kaum noch – sie hilft uns gerade durchzuhalten, aber ohne Chance, die Situation zu unseren Gunsten zu wenden.

Wir haben überhaupt nichts, alles kommt zu spät – nicht um Tage, sondern um Wochen. Und die Ukrainer, das ist nicht lustig, sind uns weit voraus. Ihre schwerfällige Maschinerie wird inzwischen von kompetenteren Leuten aus Übersee geführt (obgleich ich mir denken kann, wie sie toben und „die Wände hochklettern“ wegen der ukrainischen Trägheit und Apathie – so wie es mir mit den russischen Kollegen geht).
Und diese Jungs aus Übersee jagen diese halb zerstörte Maschinerie vorwärts, um uns vom Angesicht der Erde verschwinden zu lassen, während sie mit der anderen Hand dem Kreml „Kleinkram“ im Sinne von „Teilzahlungen für Gas“, „Verhandlungen“ usw. hinwerfen.

Und die Tage dehnen sich zu Wochen, die Wochen zu Monaten…aber eine reale Hilfe gibt es immer noch nicht und längst ist das Potential erschöpft, das sich durch die Erhebung ergeben hatte.
Das Brett biegt und biegt sich, es knackt schon, aber noch hält es. Wenn es erst mit einem Knall zerbrochen ist, ist es zu spät.
WIR BENÖTIGEN RUSSLANDS HILFE WIE DIE LUFT ZUM ATMEN!

Wir sind bereit, auf den Ruinen von Slkawjansk zu sterben, aber nur mit der festen Überzeugung, dass unsere Toten und Verwundeten im unerwiderten Haubitzenfeuer nicht umsonst geopfert wurden. Und dass wir nicht umsonst den Krieg in diese herrliche Stadt gebracht haben und dass die Opfer seiner Einwohner nicht umsonst waren.
Aber diese Hoffnung zerbröckelt gerade, mit jedem Tag stärker und stärker.

Und die Klugscheißer, die Diskussionen führen „über die politische und ökonomische Nutzlosigkeit für die Russen, den Südosten zu schützen“, würde ich… nein, nicht erschießen! Dafür gibt bei uns eine Standardstrafe: den Bautrupp… in Semenowka unter Feuer Gräben ausheben. Dort würde ich sie hinschicken, für eine Woche. Damit sie sich daran erinnern, dass sie in erster Linie Russen und erst in zweiter Linie Bürger Russlands sind.

Igor Strelkow – Oberkommandierender der Streitkräfte der Donezker Volksrepublik

 

Igor Strelkow drängt Russland zu helfen (16.06.2014)

Der Feind beschießt Kramatorsk massiv aus Haubitzen vom Karatschun und aus dem Bereich der Kläranlagen zwischen Slawjansk und Kramatorsk (dort haben sie eine starke Stellung). In der Stadt gibt es zahlreiche Opfer und Brände. Es werden sowohl das Industriegebiet als auch Wohnviertel beschossen. Die Bevölkerung ist in Panik – einen so massiven Beschuss hat Kramatorsk bisher noch nicht erlebt. Objekte der Volksmiliz sind allgemein nicht betroffen – auf die schießen sie nicht. Warum das? Die Antwort ist einfach! Um noch weitere Zehntausende Menschen nach Russland flüchten zu lassen. Das ist Völkermord und „ethnische Säuberung“ in reinster Form.
Ich habe beschlossen, einen Text aus meinen persönlichen Korrespondenzen zu veröffentlichen (in geänderter Fassung). Ich bitte darum, es zu verbreiten. Ich kann nicht länger schweigen in der Hoffnung, dass in der „weiten Welt“ irgendjemand zur Vernunft kommt.

So sehr ich es gewohnt bin, ein paar Schritte vorauszudenken, bin ich im Moment „ratlos“. Die aktuelle „Zerschlagung“ von Wirtschaft und Bevölkerung habe ich vor eineinhalb Monaten vorausgesehen und habe zum Einsatz von Friedenstruppen aufgerufen, um dies zu verhindern. Niemand schenkte dem Aufmerksamkeit. Jetzt ist es zu spät – Friedenstruppen hier herzubringen ist ohne Kämpfe bedauerlicherweise nicht mehr möglich.
Jetzt rufe ich auf zu UNVERZÜGLICHER MILITÄRISCHER HILFE IN GROSSEM MASSSTAB. Aber sie trifft nicht ein.
In einer Woche oder zwei (oder noch früher) kann eine militärische Niederlage eines erheblichen Teils der militärischen Einheiten von DVR und LVR folgen. Weil das Verhältnis an schweren Waffen einfach ungleich ist… Wenn auch Donezk und Lugansk – wie Slawjansk – vollständig blockiert sein werden, stellt sich in voller Größe die Frage: 1) Truppen zu entsenden (die die Ukrainer direkt angreifen) und einen umfassenden Krieg zu führen; oder 2) Novorossia „im Regen stehen“ zu lassen (worauf sie stark hoffen).

Und ich bin mir nicht sicher, dass das Dilemma durch die erste Variante gelöst werden wird. Eher ist es umgekehrt.
Wir können noch Hunderte Panzerwagen vernichten und 5000 weitere Soldaten töten – die Gesamtbilanz der Kräfte bleibt damit praktisch unverändert… Nun, das Verhältnis wird sich eventuell von 1:15 oder 1:14 ändern.
Fast jeden Tag ziehen wir uns aus großen bewohnten Gebieten zurück – und haben nichts und niemanden, sie zu verteidigen. Und wir können nicht eines zurückerobern, da wir den schweren Waffen der Ukrainer nichts entgegenzusetzen haben und nur mehr oder weniger erfolgreiche Verteidigungskämpfe führen können.

Woher kann man da Optimismus nehmen? Von den eigenen kleinen Erfolgen? Die sind rein taktischer Art. Strategisch haben wir bereits vor längerer Zeit zu verlieren begonnen. Ich sehe offene Sabotage im Vorgehen hochrangiger russischer Beamter in der Frage der Unterstützung Novorossias. Es ist ganz offensichtlich und ich denke, dass es ganz bewusst ist.
Anders ist der Fakt nicht zu erklären, dass DVR und LVR bislang nicht einmal „de facto“ anerkannt wurden und noch immer keine Lieferungen von Waffen und Ausrüstungen begonnen haben. Ja, Putin verleugnet faktisch (wäre interessant zu wissen, auf wessen Veranlassung) seine Erklärung über die Bereitschaft, die russischen Zivilisten im Donbass zu schützen.
ES GIBT KEINE ALTERNATIVE. Wenn es keine militärische Hilfe gibt, ist die militärische Niederlage von DVR und LVR zwangsläufig. Mag es eine Woche früher oder einen Monat später geschehen – das spielt keine Rolle. Der Gegner schneidet uns von der Grenze ab und erwürgt uns systematisch, nebenbei wird das Territorium „gesäubert“ und schiebt zwei Millionen an den Rand gedrängter und völlig verbitterter Flüchtlinge nach Russland (Die Folgen für die Wirtschaft und das soziale Umfeld sind Ihnen ja hoffentlich klar?).

Für Putin kommt dann mit traurigen Gesichtern eine Gruppe „dankbarer Oligarchen“, der „große Stratege“ Surkow vorgeschoben, der alles mit einschmeichelnder Stimme erklären wird: „Wir haben getan, was wir konnten, aber dieser … Donezker Mob hat es selbst vermasselt und nichts hätte helfen können außer auf die Gefahr eines Atomkrieges… Sie haben sich selbst bestraft … Sie sind das Risiko nicht wert… Wir müssen geduldig sein und alles reparieren… Mit Poroschenko kann man sich einigen … Taktischer Rückzug… Wir sind nicht zum Kampf bereit … Immerhin haben wir die Krim gewonnen …“ usw. usf.
Womit das alles endet für uns, das weiß ich. Die meisten von uns werden sterben, aber darum geht es nicht. Alle Mühen und alle Opfer werden vergeblich sein und der „Russische Frühling“ wird schon im Keim im „Ukrainischen Frost“ erfrieren. Und der nächste Krieg, den wir nicht mehr erleben, wird auf dem Territorium Russlands stattfinden, nach dem „Moskauer Maidan“ natürlich…

Igor Strelkow – Oberkommandierender der Streitkräfte der Donezker Volksrepublik

Igor Strelkow zur Lage: Eine Zusammenfassung 22.06.14

16:57
Eine Zusammenfassung

Auf Grund der Tatsache, dass das Kommando der „Strafoperation“ nicht versucht hat, irgendwelche Verhandlungen mit dem Kommando der Miliz der DVR aufzunehmen, stellen wir fest, dass der von Poroschenko erklärte einseitige Waffenstillstand nicht eingehalten wird.
Der Kampf gegen diese Truppen wird bis zu ihrer vollständigen Vertreibung aus dem Hoheitsgebiet von Novorossia weitergehen.
In der Nacht vom 21. zum 22. Juni blieb es im Bereich der Städte Slawjansk, Lisichansk, Sewersk, Kramatorsk, Drushowka und Konstantinowka relativ ruhig.
Am 21. Juni fand 23 Stunden lang ein Beschuss mit schweren Maschinengewehren am westlichen Stadtrand von Slawjansk statt.
Am frühen Morgen des 22. Juni griffen Milizen der DVR feindliche Stellungen auf dem Berg Karachun an, von denen der Mörderbeschuss auf die Stadt ausgeht. Im Ergebnis wurden eine MG- und eine Mörserstellung zerstört.
Außerdem griffen Teile der Kramatorsker Bataillons bei Konstantinowsk einen Checkpoint des Feindes an. Dabei wurden drei Soldaten der ukrainischen Armee getötet, mindestens 15 verletzt und ein LKW getroffen. Auf unserer Seite wurde ein Milizsoldat leicht verletzt.
In anderen Bereichen haben die Milizen der DVR Aufklärung betrieben und ihre Reihen aus ständig hinzukommenden Freiwilligen gestärkt.

18:47
Unter dem Mantel von Waffenstillstandsverhandlungen bereitet Kiew einen Blitzkrieg gegen Novorossia vor (Zusammenfassung)

Igor Strelkow erklärte, zu welchem Zweck der Präsident Poroschenklo die einseitige Waffenruhe ausgerufen hatte. Diese sei notwendig, um einen leistungsfähigen und gleichzeitigen Angriff gegen alle Punkte des Widerstands im Süd-Osten vorzubereiten.
Das sei ein Trick der ukrainischen Militärs, die unter dem Deckmantel des Waffenstillstand ihre Armee umgruppieren und nach dessen Beendigung einen Blitzkrieg führen wollen. „Das heißt, sie werden versuchen, alle Punkte des Widerstands gleichzeitig zu liquidieren – Slawjansk, Kramatorsk, Donezk und Lugansk.“
Strelkow bestätigte, dass die Angriffe der Volksmilizen auf feindliche Stellungen in Kramatorsk und Slawjansk nur Antworten seien, denn der Waffenstillstand sei eine Lüge.
Gestern wurden beide Städte wieder mit Artillerie beschossen, so dass sich die Volksmilizen nicht verpflichten fühlen, eine Waffenruhe einzuhalten. Auch in anderen Gebieten verletze die ukrainische Armee die Waffenruhe.

21:08
Der Gegner wirft Kräfte für einen gleichzeitigen Angriff nach Slawjansk, Lugansk und Donezk

Heute um 15.00 Uhr griff der Gegner einen Posten der Volksmiliz in Jampol mit einem Panzer, 5 Schützenpanzerwagen und 5 LKW an. Im Verlauf der Kämpfe wurden die Selbstverteidiger in den Wald gedrückt.
Um der Jampoler Einheit zu helfen, führte eine Abteilung der Slawjansker Garnison einen Angriff auf eine Stellung des Gegners vor Slawjansk durch.
Darüber, dass der Feind weiter vorhat, die Stadt anzugreifen, zeugt die Umsetzung von etwa 20 Panzern über eine neu gebaute Pontonbrücke Richtung Slawjansk. Über der Stadt kreisen feindliche Drohnen. Die Artilleriebatterien erhalten weiterhin Munitionsnachschub.
Der Feind ging auch dazu über, Minenfelder am nördlichen Stadtrand von Slawjansk anzulegen, zum Beispiel auf dem städtischen Friedhof. Unter der Zivilbevölkerung gab es bereits Opfer.
Die Verwendung von Minen in der Nähe dicht besiedelter Gebiete ist ein Kriegsverbrechen. Die Volksmilizen wenden diese Art der Kriegführung nicht an.
Somit sind keine wirklichen Anzeichen für eine Waffenruhe seitens der Ukrainischen Armee zu sehen. Unter dem Deckmantel des Waffenstillstands bereitet sich der Gegner auf die Erstürmung unserer Städte vor, vor denen er seine Militärtechnik zusammenzieht.

 

 

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2 Gedanken zu “Strelkow zur Lage

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