Eilmeldung: „Ich bitte darum, dies zu verbreíten“ – Igor Strelkow zur Lage

novorossia.su, 16.06.2014, 23:16 MSK

 Igor Strelkow drängt Russland zu helfen

 Der Feind beschießt Kramatorsk massiv aus Haubitzen vom Karatschun und aus dem Bereich der Kläranlagen zwischen Slawjansk und Kramatorsk (dort haben sie eine starke Stellung). In der Stadt gibt es zahlreiche Opfer und Brände. Es werden sowohl das Industriegebiet als auch Wohnviertel beschossen. Die Bevölkerung ist in Panik – einen so massiven Beschuss hat Kramatorsk bisher noch nicht erlebt. Objekte der Volksmiliz sind allgemein nicht betroffen – auf die schießen sie nicht. Warum das? Die Antwort ist einfach! Um noch weitere Zehntausende Menschen nach Russland flüchten zu lassen. Das ist Völkermord und „ethnische Säuberung“ in reinster Form.

Ich habe beschlossen, einen Text aus meinen persönlichen Korrespondenzen zu veröffentlichen (in geänderter Fassung). Ich bitte darum, es zu verbreiten. Ich kann nicht länger schweigen in der Hoffnung, dass in der „weiten Welt“ irgendjemand zur Vernunft kommt.

So sehr ich es gewohnt bin, ein paar Schritte vorauszudenken, bin ich im Moment „ratlos“. Die aktuelle „Zerschlagung“ von Wirtschaft und Bevölkerung habe ich vor eineinhalb Monaten vorausgesehen und habe zum Einsatz von Friedenstruppen aufgerufen, um dies zu verhindern. Niemand schenkte dem Aufmerksamkeit. Jetzt ist es zu spät – Friedenstruppen hier herzubringen ist ohne Kämpfe bedauerlicherweise nicht mehr möglich. Jetzt rufe ich auf zu UNVERZÜGLICHER MILITÄRISCHER HILFE IN GROSSEM MASSSTAB. Aber sie trifft nicht ein. In einer Woche oder zwei (oder noch früher) kann eine militärische Niederlage eines erheblichen Teils der militärischen Einheiten von DVR und LVR folgen. Weil das Verhältnis an schweren Waffen einfach ungleich ist… Wenn auch Donezk und Lugansk – wie Slawjansk – vollständig blockiert sein werden, stellt sich in voller Größe die Frage: 1) Truppen zu entsenden (die die Ukrainer direkt angreifen) und einen umfassenden Krieg zu führen; oder 2) Novorossia „im Regen stehen“ zu lassen (worauf sie stark hoffen). Und ich bin mir nicht sicher, dass das Dilemma durch die erste Variante gelöst werden wird. Eher ist es umgekehrt.

Wir können noch Hunderte Panzerwagen vernichten und 5000 weitere Soldaten töten – die Gesamtbilanz der Kräfte bleibt damit praktisch unverändert… Nun, das Verhältnis wird sich eventuell von 1:15 oder 1:14 ändern. Fast jeden Tag ziehen wir uns aus großen bewohnten Gebieten zurück – und haben nichts und niemanden, sie zu verteidigen. Und wir können nicht eines zurückerobern, da wir den schweren Waffen der Ukrainer nichts entgegenzusetzen haben und nur mehr oder weniger erfolgreiche Verteidigungskämpfe führen können.

Woher kann man da Optimismus nehmen? Von den eigenen kleinen Erfolgen? Die sind rein taktischer Art. Strategisch haben wir bereits vor längerer Zeit zu verlieren begonnen. Ich sehe  offene Sabotage im Vorgehen hochrangiger russischer Beamter in der Frage der Unterstützung Novorossias. Es ist ganz offensichtlich und ich denke, dass es ganz bewusst ist. Anders ist der Fakt nicht zu erklären, dass DVR und LVR bislang nicht einmal „de facto“ anerkannt wurden und noch immer keine Lieferungen von Waffen und Ausrüstungen begonnen haben. Ja, Putin verleugnet faktisch (wäre interessant zu wissen, auf wessen Veranlassung) seine Erklärung über die Bereitschaft, die russischen Zivilisten im Donbass zu schützen.

ES GIBT KEINE ALTERNATIVE. Wenn es keine militärische Hilfe gibt, ist die militärische Niederlage von DVR und LVR zwangsläufig. Mag es eine Woche früher oder einen Monat später geschehen – das spielt keine Rolle. Der Gegner schneidet uns von der Grenze ab und erwürgt uns systematisch, nebenbei wird das Territorium „gesäubert“ und schiebt zwei Millionen an den Rand gedrängter und völlig verbitterter Flüchtlinge nach Russland (Die Folgen für die Wirtschaft und das soziale Umfeld sind Ihnen ja hoffentlich klar?). Für Putin kommt dann mit traurigen Gesichtern eine Gruppe „dankbarer Oligarchen“, der „große Stratege“ Surkow vorgeschoben, der alles mit einschmeichelnder Stimme erklären wird: „Wir haben getan, was wir konnten, aber dieser … Donezker Mob hat es selbst vermasselt und nichts hätte helfen können außer auf die Gefahr eines Atomkrieges… Sie haben sich selbst bestraft … Sie sind das Risiko nicht wert… Wir müssen geduldig sein und alles reparieren… Mit Poroschenko kann man sich einigen … Taktischer Rückzug… Wir sind nicht zum Kampf bereit … Immerhin haben wir die Krim gewonnen …“ usw. usf.

Womit das alles endet für uns, das weiß ich. Die meisten von uns werden sterben, aber darum geht es nicht. Alle Mühen und alle Opfer werden vergeblich sein und der „Russische Frühling“ wird schon im Keim im „Ukrainischen Frost“ erfrieren. Und der nächste Krieg, den wir nicht mehr erleben, wird auf dem Territorium Russlands stattfinden, nach dem „Moskauer Maidan“ natürlich…

 Alle Lagemeldungen von Igor Strelkow gibt es jetzt als Seite im oberen Menu oder direkt unter: https://alternativepresseschau.wordpress.com/strelkow-zur-lage/

 

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Das Leben in Slawjansk in Zeiten des Bürgerkriegs

Slawgorod:
Die Einwohner von Slawiansk leben und arbeiten jeden Tag unter dem Pfeifen der Kugeln und explodierenden Granaten . Sie schlafen in den Kellern ihrer Häuser, gehen unter Lebensgefahr arbeiten, und schwangere Frauen, die die Stadt noch nicht verlassen hatten , sind starken psychischen Belastungen ausgesetzt. Die Zeitung “ Vesti “ befragte Einheimische zu den Schwierigkeiten des Lebens im Krieg.

Beschuss von Betrieben

Seit einigen Tagen, seit dem Beginn der aktiven Phase der neuen A-T-O leben die Bewohner Sloviansk praktisch in Bunkern und Kellern. Die Wasserversorgung erfolgt in der Stadt mit Unterbrechungen, Lebensmittel gebe es in den Geschäften praktisch keine und selbst das Aus- oder Einfahren in die Stadt ist problematisch.
„Wir werden jeden Tag bombardiert und beschossen. Anfangs war dieser Horror nur in der Nacht, aber jetzt – rund um die Uhr. Die Menschen arbeiten nicht mehr, haben kein normales Leben, weil sie Angst haben, ihre Häuser zu verlassen. Und wenn sie zu Hause sind, fürchten sie, plötzlich bombardiert zu werden, also sitzen sie in den Kellern “ – sagte uns der Bürger Vyacheslav Shevchenko .
Von den vier Geschäften in der Nähe seiner Wohnung ist nur noch eines geöffnet, und das ha kaum noch Lebensmittel vorrätig. Seine Familie – seine Frau und seine zwei Kinder – hat er zu Verwandten nach Charkiw geschickt. “ Dort leben mein Onkel und meine Tante in einer Einzimmer-Wohnung, und jetzt meine Familie mit ihnen „, – sagte Wjatscheslaw.
Er hat noch nicht vor, die Stadt zu verlassen: „Ich arbeite im Betrieb “ Betonmash . “ Dies bringt zumindest etwas Geld. Obwohl schon seit drei Tagen bei einem Kontrollpunkt am Eingang der Stadt drei Lkw mit Metall für unser Werk stehen, die nicht durchgelassen werden. Deshalb stoppt die Arbeit. Heute kamen von  500 Mitarbeitern des Betriebs noch 150. Warum ? Nun, zum Beispiel, explodierte gestern eine Shell-Tankstelle in der Nähe unseres Werkseingangs. Fünf Menschen sind verletzt im Krankenhaus – dabei sie hatten noch Glück. Denn einer unserer Arbeiter wollte am Freitag mit dem Fahrrad nach Hause fahren und wurde von einer Granate getroffen. Er starb, „- sagte Slava . Seine Frau und seine Kinder  konnte er erst im zweiten Versuch aus der Stadt herausbringen: „Das erste Mal wurden wir an der Straßensperre angehalten, dann musste das Auto wenden und wurde ohne Erklärung wieder in die Stadt zurückgeschickt. Aber wir sind Einheimische, wir kennen die Nebenstraßen , die niemand kennt – und so kamen wir raus“- berichtete unsere Quelle. Er sagt, dass die Einheimischen, sobald sie Explosionen hören , sofort in die Keller und Bunker laufen . „Ich habe da schon meine Matratze, ein Buch, ein paar Kleider – alles wie zu Hause. Und in der Wohnung steht eine gepackteTasche mit allem, was wir brauchen. Gestern wurde ein Haus bombardiert – nur eine einzige Wand ist stehen geblieben. Gott sei Dank, waren die Bewohner im Keller und blieben unverletzt “ – Vyacheslav seufzt .

Schwangere in Kellern untergebracht

Sein Landsmann Vassily schickte vor einer Woche Schwiegertochter und Enkelin nach Kiew. Doch er wird hier bleiben. „Hier ist mein Land, meine Eltern sind hier begraben. Meine Frau ist behindert. Wohin soll ich denn gehen?“  Er sagte , dass die Stadt jeden Tag aus Flugzeugen bomardiert wird. “ Meine Enkelin hatte große Angst. Jedes Mal fragte sie ihre Mutter: Ist das ein böses oder ein gutes Flugzeug, ein Passagierflugzeug? Nach Vassilys Worten gebe es in Slawjansk fast kein Trinkwasser, die Wasserleitungen wurden bombardiert. Gestern riet man den Menschen, Wasservorräte anzulegen. Und heute gibt es viele kein Wasser mehr.
Ein anderer Bewohner von Slawjansk , Alexander, verließ die Stadt am Sonntag . „Jetzt sind wir in Swjatogorsk – wir hatten keine Kraft mehr, unter ständigem Beschuss zu leben. Meine Frau und ich nahmen ein Zimmer in einer Pension.  Übrigens gibt es viele Leute aus Slawjansk hier, und einige von ihnen bereiten sich darauf vor zurückzugehen. Sie sagen, das Geld geht aus und in Slawjansk haben wir wenigstens eine Wohnung  „- sagte uns Alexander. Kindergärten und Schulen in der Stadt funktionieren nicht, und alle Krankenhäuser sind mit Verwundeten gefüllt. „Die Kinder, die noch in der Stadt geblieben sind, werden von den Eltern nicht aus den Augen gelassen, sie bringen sie sogar mit zur Arbeit“, – sagte Wjatscheslaw.
Die einzige Geburtsklinik von Slawjansk ist offiziell geschlossen, jedoch gibt es dort nach wie vor Patientinnen. „Natürlich sind es nicht sehr viele. Alle schwangeren Frauen haben versucht, die Stadt zu verlassen. Und für diejenigen, die nicht wegkamen, ist es sehr hart. Wir haben sie im Keller untergebracht, versuchen zu beruhigen, aber die Frauen sind psychisch sehr anfällig. Sie fallen,  schlagen sich die Knie auf, vom großen Stress gibt es viele Frühgeburten“- sagte man uns in der Klinik.

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Petition an Wladimir Putin, Präsident von Russland

Übersetzung:
Am 26. Mai flog die ukrainische Luftwaffe einen Raketen- und
Bombenangriff auf den Flughafen in Donezk und das umgebende Stadtgebiet. Zahlreiche Zivilisten wurden verletzt, es gab Tote.
Die Armee und die Sicherheitskräfte in der Ukraine setzen immer wieder Flugzeuge und schwere Artillerie gegen zivile Ziele in den Regionen Donezk und Lugansk ein : so beschoss am 25. und 26. Mai die ukrainischen Artillerie regelmäßig das Krankenhaus und Wohnviertel der Stadt Slavjansk.
Um das Leben unserer Landsleute und Brüder, die im Süd-Ost der Ukraineleben, zu beschützen, fordern wir vom Oberkommandierenden und russischen Präsident Wladimir Putin, die Einrichtung einer Flugverbotszone ( No-Fly- Zone) über den Regionen der Ukraine Donetsk und Lugansk, die gesperrt ist für Maßnahmen der Luftwaffe und der schweren Artillerie auf beiden Seiten des Konflikts.

Damit wird Zivilisten das Leben gerettet und die Konfliktparteien setzen sich eher an den Verhandlungstisch.

# SaveDonbassPeople

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Im Online-Brief steht dann:

An Wladimir Wladimirowitsch Putin, Präsident von Russland

Wir, die Bürger von Russland und der Ukraine, halten für völlig inakzeptabel, dass die Zentralregierung der Ukraine die Luftstreitkräfte und schwere Waffentechnik gegen zivile Ziele und gegen die Zivilbevölkerung der Donezker und Lugansker Regionen einsetzt.

Um das Leben unserer Landsleute und Brüder, die im Süd-Ost der Ukraineleben, zu beschützen, fordern wir vom Oberkommandierenden und russischen Präsident Wladimir Putin, die Einrichtung einer Flugverbotszone (No-Fly- Zone) über den Regionen der Ukraine Donetsk und Lugansk, die gesperrt ist für Maßnahmen der Luftwaffe und der schweren Artillerie auf beiden Seiten des Konflikts.

Mit freundlichen Grüßen,
[ Ihr Name]

https://www.change.org/ru/петиции/путин-владимир-владимирович-объявить-бесполётную-зону-над-донецкой-и-луганской-областями-украины

Auch als Staatsbürger eines anderen Landes kann man sich an dieser Petition beteiligen. In das Feld für Kommentare im Formular könnt ihr einen entsprechenden Kommentar eintragen und beim Land “Germany” auswählen. Da es dieses Formular nur in russischer Spreche gibt, hier eine kleine Hilfe:
Bei “имя” tragt ihr den Vornamen ein, “фамилия” ist der Nachname und “почтовый код” eure Postleitzahl. Vergesst nicht, vor den Drücken des roten Knopfes zum Unterschreiben darunter das Häkchen wegzuklicken, wenn ihr eure Emailadresse nicht veröffentlichen lassen wollt.

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Medienlügen und Kriegsvorbereitung

Gefunden über russland.ru bei http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58857
Legitimationskrise
05.05.2014

ODESSA/BERLIN

Die beispiellose Desinformationskampagne führender deutscher Medien hat anlässlich der in Odessa verübten Morde an über 40 Menschen einen neuen Höhepunkt erreicht. In der ukrainischen Millionenmetropole sei das Gewerkschaftshaus „in Brand geraten“ – „eine Katastrophe“, deren Urheber noch nicht bekannt wären, hieß es unmittelbar nach der Brandschatzung am 2. Mai übereinstimmend. Während auf Fotos internationaler Presseagenturen Anhänger der Kiewer Putschisten zu sehen waren, die den im Gewerkschaftshaus Eingeschlossenen Brandsätze hinterherwerfen, übernahmen maßgebliche deutsche Medien mehrfach Lügenberichte ukrainischer Geheimdienstorganisationen, wonach für die Verbrechen „Moskau“ verantwortlich sei. Die Ermordeten gehörten einer Demonstrantengruppe an, die regionale Autonomie verlangte. Sie floh vor den Angreifern, wurde ins Gewerkschaftshaus verfolgt, eingeschlossen und einem grausamen Tod durch Ersticken ausgeliefert.
Obwohl die Zusammenhänge längst rekonstruierbar sind, bedienten sich die Abendnachrichten der „Tagesschau“ noch 24 Stunden nach dem Verbrechen einer absichtsvoll unbestimmten Sprachversion. Wie es am 3. Mai um 20.15 Uhr im ersten deutschen TV-Programm über die Ereignisse in Odessa hieß, „geriet ein Gebäude der Gewerkschaft in Brand“.[1] Diese Formulierung ließ auch an einen technischen Defekt denken und vermied die Verknüpfung des Ereignisses mit dem ausreichend vorliegenden Nachrichtenmaterial internationaler Agenturen. Eingeräumt wurde lediglich, dass eventuell „Unbekannte“ ein Feuer gelegt hätten; über die näheren Umstände wisse man nichts.

Unklar

Die staatsnahe TV-Anstalt zog sich nach 48 Stunden auf die Sprachregelung zurück, „beide Konfliktparteien“ beschuldigten sich nun gegenseitig, so dass die Informationslage unklar bliebe. Zu einer eigenen Recherche schien der ARD-Sender außerstande zu sein, nachdem er die russophoben Gewalttaten auf dem Kiewer Maidan im Februar mit aufwendigen Live-Schaltungen seiner Korrespondenten und in teils schrillen Tönen hatte begleiten lassen.

Deutungshoheit

Wieder zur Stelle war die ARD in Odessa, als der an dem Umsturzregime beteiligte Wladimir Klitschko in einem TV-Interview sein Bedauern über die Ereignisse äußern durfte und den Einwohnern der Stadt mehr Frieden wünschte. Damit wurde einer Symbolfigur der deutschen Einmischung in die inneren Verhältnisse der Ukraine [2] die Deutungshoheit über das Verbrechen eingeräumt: es verfiel pastoralen Bekenntnissen der Trauer. Über die eigentlichen Anstifter, die in Klitschkos Kiewer Polit-Umfeld vermutet werden, erfuhren die Zuschauer erneut nichts.

Selber schuld

Am gestrigen Sonntag und damit 72 Stunden nach den Morden von Odessa verfiel die ARD schließlich auf die Idee, Arsenij Jazenjuk, einem der aggressivsten Vertreter der Kiewer Putschisten, das Wort für die Schutzbehauptung zu erteilen, wonach die Polizei von Odessa versagt habe, die Urheber aber in Russland säßen (Moskauer „Plan zur Zerstörung der Ukraine“). Die ARD zitierte die antirussischen Hasstiraden auf ihrer Internetseite in wörtlicher Ausführlichkeit [3] und zusätzlich in einem Bildbericht zur Prime Time um 20.00 Uhr, ohne auch nur eine einzige zweite Quelle zu nennen, die der Propaganda Tatsachen hinzufügte oder entgegensetzte. Weiter ist von „blutigen Zusammenstößen“ die Rede, denen bei der ARD die handelnden Subjekte fehlen oder deren Urheber ausschließlich unter den Aufständischen gesucht werden. So hieß es in der gestrigen „Tagesschau“ um 20.00 Uhr, die Morde von Odessa seien nur eine Reaktion auf Angriffe der Ermordeten gewesen.

„Diplomaten“

Die Nachrichtengebung über die Verbrechen von Odessa ist Teil einer seit Monaten anhaltenden systematischen Einebnung journalistischer Standards, die inzwischen den politischen Vorgaben der Berliner Außenpolitik fast vollständig angepasst sind.[4] So erging sich die ARD tagelang in einem Verwirrspiel über die Militäroperation der Bundeswehr, die auf Anfrage des Putschregimes in Kiew sogenannte Beobachter Richtung Ostukraine geschickt hatte, ohne dass den Zuschauern Ross und Reiter genannt wurden. Mal hießen die deutschen Militärs in der ARD „Teilnehmer einer OSZE-Mission“, mal wurde ihr Status auf den von „Diplomaten“ reduziert.[5]

Verkleidet

Dass sie einer geheimen Verabredung mit dem nicht legitimierten Umsturzregime nachgingen, das einen „Anti-Terror“-Krieg in der Ostukraine vorbereitete und dafür Informationen über die Dislozierung der Aufständischen benötigte, wurde keiner ernsthaften Frage für wert befunden oder in den Bereich nächtlicher Talkrunden verwiesen („Verschwörungstheorie“). Dafür brachte das 1. TV-Programm am 2. Mai um 20.15 Uhr eine Sondersendung mit einem mutmaßlich unparteiischen Spezialisten für die OSZE-These. Auf einer Bauchbinde als Mitarbeiter der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) ausgewiesen, durfte der Spezialist in einem minutenlangen Monolog die Version von dem angeblichen OSZE-Auftrag bestätigen. Spionagehintergrund? Diese Frage wurde erst gar nicht gestellt. Dass der Interviewpartner Wolfgang Richter, heute Oberst im Generalstab der Bundeswehr, selbst Abteilungsleiter der seltsamen Militärbeobachter mit Sitz in Geilenkirchen war, dem Bundeswehr- und früheren NATO-Atomwaffenstandort, erfuhren die Zuschauer nicht. Die ARD hatte einem verkleideten Militär ihre Kanäle geöffnet.

Gerüchte

Die Wissenschafts-Maskerade der Bundeswehr in einer Sondersendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat das Niveau der Nachrichtengebung aus Kalter-Kriegs-Zeiten erreicht. In den Jahren 1962 bis 1975 befeuerten die ARD (unter anderem mit ihrem Korrespondenten Winfried Scharlau) ebenso wie das ZDF (unter anderem mit dem Korrespondenten Peter Scholl-Latour) die deutsche Wehrbereitschaft gegen Hanoi, Moskau und Peking. Die prinzipielle Verunglimpfung des Gegners und eine angebliche Verteidigung der westlichen „Wertegemeinschaft“ gehörten zum Standardrepertoire führender Medien. Die in Vietnam, Laos und Kambodscha begangenen Kriegs- und Massenverbrechen der USA und ihrer Verbündeten kamen in den entsprechenden Beiträgen entweder gar nicht vor oder wurden als kommunistisch inspirierte Gerüchte abgetan.

Drei Phasen

Ähnliches Format bewiesen die führenden deutschen Medien im Jugoslawien-Krieg und bei der Aggression gegen den Irak. Dabei lassen sich drei Phasen unterschieden. In der ersten Phase, die der Vorbereitung und Durchführung der Angriffsoperationen dient, wird die Nachrichtengebung von zuverlässigen Korrespondenten betreut, die an die entsprechenden Militär- oder Politstäbe angebunden sind. Hierbei kommt den Berichterstattern und „Sonderberichterstattern“ aus Brüssel (NATO), Washington und Moskau Richtungskompetenz zu. Studioleiter und ARD-Fernsehchef in Brüssel ist gegenwärtig der langgediente WDR-Journalist Rolf-Dieter Krause (WDR-Spitzname: „NATO-Krause“). Moskau-Korrespondentin und Ukraine-Kommentatorin in dieser ersten Phase, in der für Zweifler kein Platz ist, war Ina Ruck (WDR). Die Nachrichtengebung wird hermetisch und ist hysterisiert.

Tippgeber

Ist das Operationsziel in erreichbarer Nähe (oder scheinen noch bestehende Hindernisse überwindbar), lockert sich der Informationshorizont (zweite Phase). Dieses Stadium trat bei den Auseinandersetzungen in der Ukraine mit dem erfolgreichen Umsturz in Kiew Ende Februar ein. Besonders tatkräftige Beiträger werden nun abgezogen und durch liberalere Kollegen ersetzt. Die Hysterisierung des Publikums, das auf den Gegner eingeschworen werden sollte, weicht einer Beruhigung und bezieht auch Kritiker ein. Sie sind als Tippgeber für Mängel, Fehler und mögliche Verbesserungen der noch anhaltenden Operation (insbesondere in Talkrunden) willkommen.

Aufarbeitung

In der dritten Phase (Ende der Operation oder Aufschub wegen unvorhersehbarer Schwierigkeiten) beginnt die mediale Aufarbeitung mit teilweise aufrüttelnden Reportagen investigativer Art. Es geht in dieser Phase um eine möglichst umfassende Integration der Zivilgesellschaft, deren pazifistischen Zweifeln oder politischen Vorwürfen Raum gegeben werden kann (und muss), bevor eine neue Operation beginnt. Ausdruck dieser medialen Inklusion war nach dem Kosovo-Krieg die WDR-Dokumentation „Es begann mit einer Lüge“ [6], nach den Maidan-Massakern der WDR-„Monitor“-Beitrag über die mutmaßlichen Täter aus den Kiewer Umsturzkreisen („Wer waren die Todesschützen auf dem Maidan?“ [7]). Es fällt auf, dass die verantwortlichen ARD-Anstalten in sämtlichen Phasen identisch sein können (aktuell: WDR), also nicht inneren politischen Befindlichkeiten folgen, sondern einem übergeordneten Selbstverständnis ihres leitenden Personals und dessen Einbindung in Strukturen der jeweiligen staatstragenden Parteien.

Steigende Kriegsgefahr

Gegen die Desinformationskampagne führender deutscher Medien regt sich erheblicher Widerspruch, der zur zeitweisen Abschaltung der Kommentarfunktionen auf den Internet-Seiten der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten führt – „wegen Überlastung“.[8] Tatsächlich gelingt es der staatsnahen Presse nicht, die Mehrheit ihres Publikums von einer unausweichlichen militärischen Neuausrichtung zu überzeugen, wie sie der NATO-Generalsekretär (wiederum in der ARD vom gestrigen 4. Mai) unverblümt fordert (Erhöhung der Rüstungsbudgets) Die Zweifel einer Bevölkerungsmehrheit gelten der weiteren Einkreisung Russlands, der damit steigenden Kriegsgefahr und strafen das EU-Leitmotiv („Frieden in Europa“) Lügen. Die andauernde Intensität der verfehlten Nachrichtengebung ist Ausdruck einer politischen Legitimationskrise…

[1] Wortprotokoll der Sendung.
[2] S. dazu Unser Mann in Kiew und Der Mann der Deutschen.
[3] Pro-russische Kräfte attackieren Polizeizentrale. http://www.tagesschau.de 04.05.2014.
[4] S. dazu Die freie Welt.
[5] S. dazu Ein ungewöhnlicher Einsatz.
[6] Sendung am 08.04.2001.
[7] Sendung am 11.04.2014.
[8] So am 03.05.2014 auf der Internet-Seite der ARD-„Tagesschau“/“Tagesthemen“.

 

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Warum brauchen wir eine alternative Presseschau?

Diese alternative Presseschau entstand im Verlauf der Ukrainekrise in dem Bedürfnis, sich anderer Informationen als den Einheitsbrei der westlichen Mainstream-Medien bedienen zu können. Aus einem privaten Übersetzungsprojekt wurde schnell ein Newsletter, der jetzt zum öffentlichen Blog erweitert wird.

Hier werden Artikel von regionalen und überregionalen Nachrichtenagenturen sowie Online-Medien aus der Ukraine und aus Russland zusammengestellt.

Es handelt sich dabei um eine Auswahl, die vor allem die Meldungen berücksichtigt, die (so) nicht in den deutschen Medien erscheinen. Dabei liegt der Fokus im Moment auf Regionalmeldungen aus dem Bürgerkriegsgebiet in der Südostukraine.

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