Neuigkeiten aus Wirtschaft und öffentlichem Leben der Volksrepubliken des Donbass vom 18. bis 24.09.2021

Quellen: offizielle Seiten der Regierungen der Volksrepubliken, dan-news, lug-info, dnr-online.ru, mptdnr.ru, dnrailway.ru, tkzhd.ru, vsednr.ru, dontimes.ru sowie ukrinform, ria.ru und sputnik
Ausgewählt und übersetzt durch das Kollektiv der „Alternativen Presseschau“


Sonnabend:

Hochofen 3 (der zweite)
Mpt-dnr.ru: Heute besuchte das Oberhaupt der Donezker Volksrepublik, Denis Pušilin, die Niederlassung 2 der nicht-börsennotierten Wnjèštorgsèrwis‹ (»Außenhandelsservice«) AG [WTS]. In diesem Unternehmen wurde der Hochofen 3 angeblasen und auf Betriebsparameter gebracht; in der Konverterhalle wurde die Stahlproduktion aufgenommen.
Das Staatsoberhaupt besichtigte in Begleitung des Industrie- und Handelsministers Wladimir Ru
ščak und des Niederlassungsleiters Alexandr Kowalenko die Konverterhalle und die Stranggussanlage 2 sowie die weitere Verarbeitung.
Pu
šilin bezeichnete den Produktionsstart als wegweisendes Ereignis und betonte, dass er sich positiv auf die Entwicklung der Produktionskapazitäten in beiden Volksrepubliken auswirken werde.

„Angesichts der Tatsache, dass die Industrie des Donbass eine sehr komplexe Struktur ist, die miteinander verknüpfte Branchen umfasst, entwickeln wir durch die Entwicklung der einzelnen Branchen auch unsere Industrie. Mit der Gründung dieses Unternehmens lasten wir auch die Kokschemie besser aus, und zwar nicht nur in der DVR, sondern auch in der LVR. Es geht um einen gemeinsamen Wirtschaftsraum, um die wirtschaftliche Integration. Davon wird die Ökonomie der Republiken und damit jeder Bürger profitieren“, betonte der Staatschef.
Er sagte, dass die Zukunftsprognosen recht optimistisch sind. Insbesondere mit der Lugansker Volksrepublik werden bereits im vierten Quartal dieses Jahres Maßnahmen zur Zusammenarbeit von Unternehmen erörtert.
„Ich möchte mich sowohl bei der Unternehmensleitung als auch bei allen Mitarbeitern bedanken, die durch schwierige Zeiten gehen mussten, um das Unternehmen zu erhalten und es wieder zum Laufen zu bringen“, sagte Denis Pu
šilin. […]
„Dies ist die letzte Etappe. Wir können mit Sicherheit sagen, dass das Metallurgische Werk Jenakiewo, ein Werk des vollständigen metallurgischen Zyklus‘, die Arbeit nach dem regulären Schema aufgenommen hat“, sagte Alexandr Kowalenko.
Es gibt Perspektiven für den Export.
„Wir sind bereit, nicht nur die Kapazitäten der Republik besser auszulasten, sondern auch mit unseren Partnern im Stahlseilkombinat
Silur zusammenzuarbeiten, zu denen wir seit langem Beziehungen unterhalten. Wir sind bereit, Produkte für den in- und ausländischen Markt herzustellen. Wir sind bereit, Produkte für den in- und ausländischen Markt herzustellen“, sagte der Unternehmenschef.
Ihm zufolge wird auch aktiv mit Ausbildungszentren, Bildungseinrichtungen der höheren und sekundären Berufsbildung der Republik zusammengearbeitet, um junge Fachkräfte heranzuziehen. […]
Die auf der Stranggussanlage gegossenen Vierkantstähle werden zur weiteren Verarbeitung und Herstellung von Fertigerzeugnissen, einschließlich Walzdraht, an die Niederlassung
3 des Metallurgischen Werks Makejewka von Wnjèštorgsèrwis weitergeleitet.

Dienstag:

Recycling bei Straßenreparaturen
Dan-news.info: „Im September begannen Spezialisten des dem Verkehrsministerium unterstellten Staatlichen Unternehmens ›Áwtodormit der Reparatur eines Probeabschnitts von 14,9 Kilometern Länge der Straße T-05-09 Welíkaja Nòwoselowka – Amwrossíjewka, die südöstlich von Donezk die Rayons Starobješewo und Amwrossíjewka durchläuft. Diese Straße ist das erste Objekt in der Republik, das nach der neuen Recyclingtechnologie repariert wird“, heißt es in einem Bericht des Ministeriums.
Die Entscheidung für den Einsatz dieser Technologie wurde von einer speziellen Arbeitsgruppe getroffen, die sich aus Fachleuten des Verkehrsministeriums der DVR und russischer Straßenorganisationen zusammensetzt. […] Der Versuchsabschnitt wird mit einem speziellen Recycler WR 2500 repariert. Beim Fräsen werden die zerkleinerten Teile des Asphalts mit Zement und einem Polymerstabilisator gemischt und wieder eingebaut. Insgesamt werden etwa 5 km Fahrbahn mit konventionellen Techniken und 10 km mit der Recyclingtechnologie saniert.

Kaltrecycling (oder Kaltregenerierung) ist eine Straßenreparaturtechnik, bei der der alte Asphaltbelag als Bestandteil des neuen Belags weiterverwendet wird. Diese Methode macht die Reparaturen billiger und reduziert die Anzahl der Maschinen und Arbeiter vor Ort. Außerdem ist sie am wenigsten umweltschädlich. […]

Mittwoch:

Schwefelhexafluorid-Transformatoren
Dan-news.info: DVR-Energieanlagenelektroniker haben im Kohlekraftwerk Starobješewo drei veraltete ölgekühlte durch moderne Schwefelhexafluorid-Transformatoren ersetzt. Dies teilte heute der Pressedienst des Ministeriums für Kohle und Energiewirtschaft der Republik mit. Die neue Ausrüstung wurde in der 220 kV-Freiluftschaltanlage des Kraftwerks an der Verbindung WL – Čhajkino 3installiert.
Die alten Transformatoren, die seit 1989 in Betrieb waren, haben ihre wirtschaftliche Lebensdauer erreicht und entsprachen technisch nicht mehr den heutigen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit. […] Bis zum Ende dieses Jahres ist noch der Austausch dreier weiterer solcher Transformatoren geplant.

Starobješewo ist die größte Energieanlage der DVR. Sie befindet sich in der Siedlung städtischen Typs Nowyj Swjet südlich von Donezk, wurde 1958 in Betrieb genommen und läuft derzeit im Normalbetrieb mit vier Blöcken.

Freitag:

Grenzland
Tkzhd.ru: Wassilij Nasarjan, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender des Transnationalen Konzerns »Eisenbahnen des Donbass«, inspizierte den Fortschritt der Arbeiten zur Wiederherstellung der Elektrifizierung und der Infrastruktur auf dem Abschnitt Debal’zewo – Černuchino – Faščewka.

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Auf dem Abschnitt im Bereich der staatlichen
»Donezker Eisenbahn« zwischen Debal’zewo Rbf und der Grenze sind alle geplanten Maßnahmen zur Wiederherstellung von 1,6 Kilometern Oberleitung umgesetzt. Im Bereich der »Lugansker Eisenbahn« zwischen der Grenze und Faščewka wurden 130 Oberleitungsmasten aufgestellt und 15 neue Quertragwerke montiert. Die Arbeiten zur Verlegung einer Speiseleitung werden fortgesetzt. Zur Zeit werden 10 km Signalkabel im Bahnhof Černuchino repariert. Auf der Strecke Černuchino – Faščewka wurden 1,4 km Signal- und Kommunikations- und 8 km andere Kabel erneuert. […] Die »Lugansker Eisenbahn« hat das Gleis 8 im Bahnhof Černuchino wieder aufgebaut. Darüber hinaus wurden 4.508 Betonschwellen auf der freien Strecke erneuert. Der Abschluss aller Arbeiten ist für Ende 2021 vorgesehen.

Kriegsmuseum im Hof (oder: schon Mme Tussauds?)
Vsednr.ru: Der Rentner Gennadij Lebedjew lebt im Leninskij-Bezirk von Donezk. Ohne jegliche Erfahrung oder Mittel hat er im Hof seines Hauses ein Kriegsmuseum eingerichtet. Er sammelte Exponate aus der gesamten Donezker Volksrepublik, in der es zu Kämpfen und Beschuss kam. Eines seiner jüngsten Werke ist ein nachempfundenes Hauptquartier des ersten Staatschefs der DVR, Alexandr Sachárčenko. Wir waren beeindruckt von dem, was wir sahen, und empfehlen unseren Lesern eine Führung durch das Museum.
„Die aktuellen Ereignisse, die ukrainische Aggression, haben mich veranlasst, ein Museum zu gründen. Zumal ich nicht immer zu Hause saß, sondern in den Städten der Republik unterwegs war, in Starobje
šewo, Ilowajsk, Sugres und anderen Städten“, sagte er.
Viele der Gegenstände sammelte er selbst, und darüber hinaus gab es in seinem Bekanntenkreis einige Militärs, die ihm bei der Vervollständigung der Sammlung halfen.
„Zuerst interessierten sich meine Nachbarn für das, was ich tat, dann kamen andere Bekannte, darunter auch Armeeangehörige, um meine Sammlung zu sehen. Dann wurde mir klar, dass das ein Museum werden muss. Auf diese Weise konnte ich die Erinnerung an unseren schrecklichen Krieg für die Nachwelt bewahren. Im Laufe der Zeit werden gerät einiges in Vergessenheit, und damit die Menschen unsere Geschichte nicht vergessen, können Sie sich in meinem Museum Kriegsgegenstände ansehen. So habe ich das Museum im Frühjahr 2017 eröffnet“, sagt Gennadij Lebedjew.
Bei solchen Ausflügen sammelte er Minenleitwerke, Schrapnelle und Hülsen von Artilleriegranaten Die ersten Exponate waren in einem Zelt untergebracht, dann wurde die Sammlung erweitert und in einen gemütlichen Museumshof verwandelt.
Der Enthusiasmus von Gennadij Borissowi
č ist beneidenswert: Er war sich nicht zu schade, Exponate wie Heckteile der Salvenfeuer-Raketensysteme Grad, Smerč‹ und Uragan, Raketensysteme Luna-M und Točka-U sowie ausgebrannte und nicht einsatzfähige Granatwerfer und automatische Waffen nach Hause zu bringen.

„Eines Tages kamen Journalisten von NTV, sahen sich die Točka-U an und fragten: ‚Was ist das für ein Kwass-Fass? Aber unsere Schulkinder wissen, was eine Točka-U ist. Wir befinden uns im Krieg, wir haben ihn hautnah miterlebt“, erinnert sich Gennadij.
Er setzt die Führung fort. „Das sind alles Gegenstände aus dem Krieg“, zeigt und erzählt er. „Es gibt Panzerwesten, Helme, Landkarten, Fahnen und vieles mehr.“
„Es gibt Fragmente von Streubomben, die durch die internationale Konvention verboten sind, aber in Donezk eingesetzt wurden. Die Bombe öffnet sich und die Projektile fliegen umher und fegen alles weg, was sich ihnen in den Weg stellt. Welche Art von Waffen wurde nicht gegen die Bewohner unserer Region eingesetzt? Es gibt Maschinenpistolen, verschiedene Granatwerfer, darunter die
»Fliege« und den schultergestützten Raketenwerfer »Hummel«, die Waffe, mit der ‚Givi‘ (Michaïl Sergejewič Tolstych, 1980 – 2017, Kommandant des „Somalia-Batallions“, auch der Che Guevara des Donbass genannt – Wikipedia) ermordet wurde“, sagt unser Gesprächspartner.
Auf seinen Reisen durch Städte im Donbass fotografierte er auch die Zerstörung und alles, was von Interesse war.
„Ich war Zeuge von schrecklichen Ereignissen und Fakten, sah den Verlust von Menschenleben und die Zerstörung von Gebäuden. Ich ging an die Front, zu den Militäreinheiten, sammelte viele Informationen, und um sie für unsere Generation in Erinnerung zu behalten, machte ich Fotos. Ich muss sagen, dass ich eine Menge Fotos gemacht habe. Wenn das Militär oder meine Bekannten mir sagten, wo ein Bombenangriff stattfand, ging ich oft direkt zum Ort der Explosionen und fotografierte alles, was ich sah. Jedes Foto ist bereits eine Geschichte“, erklärt Lebedjew.
Zu den Werken des Rentners gehört ein riesiges Plakat des zerstörten Donezker Flughafens. Es trägt die Inschrift
»22. Januar 2015 – der Tag, an dem der Flughafen von Donezk endgültig unter die Kontrolle der Miliz geriet«.
„Die Kämpfe um den Flughafen dauerten 242 Tage, wobei die Feindseligkeiten nur für kurze Waffenstillstände unterbrochen wurden. Sehen Sie: Auf dem Flughafen gab es
Kiborge, hier ihr Zeichen. Wissen Sie, wie man Kiborg rückwärts liest? Grobik – kleiner Sarg. Dies hier ist die Flagge von Noworòssija (praktisch der Donbass und die gesamte Schwarzmerregion der Ukraine – Anm. d. Übers.). Sie ist zwar alt, aber sie ist auch Geschichte. Dieses Foto wurde in Ilowajsk aufgenommen. Stellen Sie sich vor, die ganze Straße war voller Granathülsen“, sagt Gennadij während der Exkursion.
Er hat unter anderem viele Bilder von Häusern, die während des Krieges zerstört wurden. „Beschuss auf Beschuss. Dieses Bild habe ich aufgenommen, als das Bergwerk 4-21 in Petrowka bombardiert wurde. Dies ist ein kleines Café in Marinka im Sommer 2014, in dem fünf Menschen getötet wurden. Es sind Aufnahmen aus Krasnogorowka zu sehen, wo das ukrainische Militär am 25. Juli 2014 mit einer
Grad ein Wohngebiet beschoss. Und dies sind Aufnahmen vom 11. Februar 2015, die den Beschuss der Bushaltestelle Zentr im Leninskij-Bezirk von Donezk zeigen“, sagte unser Gesprächspartner.
Seit der Eröffnung des Museums bietet Lebedjew allen Interessierten gerne Führungen an. Im Laufe der Jahre haben ihn Gäste aus Moskau, der Krim und der Tschechischen Republik besucht, und bekannte Einwohner von Donezk haben sich für sein Werk interessiert: Pawel Gubarjew, die Freiwillige Ljudmila Je
žunowa (»der Weihnachtsmann«), die Militärkorrespondentin Jekaterina Katina (»die rothaarige mit der Kamera«) und viele andere waren hier.
Gennadij führt sorgfältig ein Tagebuch mit Fotos von bedeutenden Besuchern und deren guten Wünschen:“Es ist ein erstaunlicher, einzigartiger Ort! Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit, für die Zusammenstellung von Körnchen unserer Geschichte…“, schrieb Katina bei einem Besuch im Jahr 2017.
Darüber hinaus hat Gennadij Lebedejw auf dem Gelände seines Museums das Hauptquartier von Sachár
čenko nachgebildet, in dem nach seinen Vorstellungen die Treffen mit den Kämpfern ‚Givi‘ und ‚Motorola‘ (Arsen Sergejewi Pawlow, 1983 – 2016, Kommandant des Batallions »Sparta« – Wikipedia) stattfanden.
Der Besitzer des Museums bittet die Korrespondentin, das Hauptquartier zu betreten: „Gehen Sie hinin, begrüßen Sie sich.“ Ich nehme die Einladung an: Drei Kämpfer sitzen wie lebendig an einem Tisch vor mir. Der Mann hat jedes Detail durchdacht: Die Puppen tragen Militäruniformen, Pawlov ein Barett, Tolstych mit Helmsprechgerät, an der Hand eine Uhr. Auf der Brust eines jeden von ihnen befinden sich Medaillen, auf dem Tisch ein Aschenbecher und Zigaretten. Vor ihnen ist eine Karte der Kämpfe vom August 2014 ausgebreitet.
„Die Uniformen wurden nach meinen Bestellungen in einem Atelier genäht, die Gesichter von einem professionellen Maskenbildner nachgebildet“, sagte Gennadij Lebedejew. […]
Das Interessanteste ist, dass Gennadij Borissowi
č versucht, die wichtigsten Episoden seines Lebens während des Krieges im Donbass zu zeigen – vom Anfang bis zum Ende.
Das Museum zeigt eine vollständige Chronologie der Ereignisse: den Majdan, Tur
činows (Übergangspräsident der Ukraine nach dem Putsch 2014 – Anm. d. Übers.) Befehl zum Beginn der sog. »Antiterroristischen Operation«, die Kämpfe in Slawjansk, blutige Kessel, Beschuss, Schmerz und Verlust von Menschenleben. Er schuf sogar Kraniche – als Symbol des Gedenkens an unsere gefallenen Soldaten. Die Porträts der Gefallenen sind auf den Flügeln der Vögel abgebildet, die die Seelen der Kämpfer in den Himmel tragen.
Der letzte Bereich des Museums ist den Kindern gewidmet. Daran hängt ein Plakat, auf dem ein Veteran des Großen Vaterländischen Krieges abgebildet ist, und zwei kleine Kinder erweisen ihre Aufwartung als Zeichen dafür, dass sie ihre Geschichte nicht vergessen haben. Und Gennadij Borissowi
č versucht, die Erinnerung an unseren Krieg durch sein Museum auf die gleiche Weise lebendig zu halten.
Victoria Ljew, Zeitung Donezk Wječernij (»Abendliches Donezk«)

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