Neuigkeiten aus Wirtschaft und öffentlichem Leben der Volksrepubliken des Donbass vom 10. bis 16.07.2021

Quellen: offizielle Seiten der Regierungen der Volksrepubliken, dan-news, lug-info, dnr-online.ru, mptdnr.ru, dnrailway.ru, tkzhd.ru, vsednr.ru, dontimes.ru sowie ukrinform, ria.ru und sputnik
Ausgewählt und übersetzt durch das Kollektiv der „Alternativen Presseschau“

Sonnabend:

Die »Rote Nelke« in der Heldenstadt Kerč
Dnronline.su: Am Abend des 9. Juli fand auf der Bühne des Kulturpalastes
Korabel in Kerč auf der Krim im Rahmen des Internationalen Festival-Wettbewerbs des nationalen patriotischen Liedes »Rote Nelke« ›I. D. Kobson‹ (Sänger, 1937 – 2018), ein Konzert des Musikalisch-dramatischen Theaters Donezk ›M. M. Browun‹ (sein Intendant, 1946 – 2012) »Musik des Donbass« statt, berichtet der Pressedienst des Theaters.
„Künstler des
Músdrámanehmen regelmäßig an verschiedenen internationalen Festivals teil, aber mit einem solch groß angelegten Konzert reisen wir zum ersten Mal außerhalb der Republik. Der Wettbewerb »Rote Nelke« ist für viele der Solisten, auch für unsere jungen Theaterkünstler, zu einem prägenden Ereignis geworden. Jetzt haben sie die Aufgabe, die Liedervielfalt des Donbass und die Einzigartigkeit der Sängerinnen und Sänger zu zeigen, die kürzlich in Sewastópol das Publikum mit der Tiefe der dramatischen Bilder und dem großartigen Schauspiel beeindruckt haben. Das Programm richtet sich an ein Publikum aller Altersgruppen. Ich bin sicher, dass wir die Krim noch öfter überraschen werden“, sagte Natal’ja Wolkowa, Intendantin des Theaters und Verdiente Künstlerin der Ukraine.
Der Abend beinhaltete folgende Lieder:
»Es lebe unser Donbass«, »Meine Heimat«, »Unter dem klaren Himmel des Donbass«, »Ich war schon lang nicht mehr im Donbass«, »Apfelblüten«, »Es schlafen die dunklen Hügel«, »Bergmannsfrauen«, »Bergmannsseele«, »Schwarzes Gold«, »Gebet für den Donbass«, »Blauer Himmel Russlands«, »Donbass für uns«, »Mein Vaterland ist der Donbass« und andere.
Am Sonnabend trugen Margarita Lissowina und Natal’ja Ka
čura ihre Fast-Schon-Nationalhymne der DVR Donbàss sa námi‹ (»Der Donbass steht hinter uns«) des Komponisten und Verdienten Kulturschaffenden der DVR Michaïl Chochlov und des Donezker Dichters Wladimir Skobzov vor.
„Wir freuen uns sehr, dieses Lied aufzuführen, das zur
(inoffiziellen – Anm. d. Übers.) Nationalhymne der Donezker Volksrepublik geworden ist. Es wird zum ersten Mal außerhalb der DVR aufgeführt. Wir sind stolz und glücklich, unser Land bei diesem Wettbewerb zu vertreten. Ich hoffe, dass wir unser Publikum nicht enttäuschen werden und ein hohes Niveau, guten Gesang präsentieren und dass es allen gefallen wird“, sagte Margarita Lissowina.

Die »Rote Nelke« findet vom 6. bis 11. Juli 2021 in der Heldenstadt Kerč statt, durch das Ministerium für Kultur der Russischen Föderation, den Russischen Kulturfonds, das Ministerium für Kultur der Republik Krim und die Stadtverwaltung organisiert. […]

Montag:

Kameras fürs Heimatmuseum
Sovminlnr.ru: Der Lugansker Sammler Boris Sliwenko hat dem Heimatmuseum etwa 80 ausländische Fotoapparate aus dem 20. Jahrhundert geschenkt. Davon berichtete das Ministerium für Kultur, Sport und Jugend der LVR. Die Ausstellung wurde von Natal’ja
Škoda, stellvertretende Leiterin der Präsidialverwaltung, eröffnet.
„Es ist wirklich eine einzigartige Ausstellung. Wir haben die Möglichkeit, Geschichte zu berühren. Die Person, die ihre Sammlung der Republik geschenkt hat, ist ein legendärer Mann. Er kennt die Geschichte jedes einzelnen Stücks seiner Sammlung und hat selbstständig Kataloge erstellt, die die Geschichte jeder Kamera beschreiben. So können Sie und ich uns jetzt etwas anschauen und studieren, was heutzutage schon schwer zu finden ist“, sagte sie.
Die Ausstellung zeigt Produkte verschiedener ausländischer Firmen aus dem 20. Jahrhundert, darunter bekannte Marken wie Voigtländer, Porst, Praktica, Agfa, Zeiss, Kodak und Polaroid. Außerdem können die Besucher die erste in Serie gefertigte Kleinbild-Spiegelreflexkamera Deutschlands, die Kine Exakta, eine der ersten Trust-Digitalkameras und die ersten Automatikkameras sehen. „Heute, am Tag des Fotografen, haben wir die Ausstellung mit der anschließenden Übergabe der Kameras eröffnet. Es gibt 77 Einheiten aus 10 Ländern, vor allem aus Deutschland und Japan, aber auch aus Kanada, Südkorea, China, Großbritannien, Italien und so weiter. Es ist eine große Freude, dass ich mein Lebenswerk dem Museum meiner Heimatstadt anvertrauen konnte“, sagte Boris Sliwenko.

Sergej Rožkov, Leiter der Verwaltung für Kultur und Tourismus des Ministeriums für Kultur, Sport und Jugend der LVR, dankte Sliwenko für die Sammlung und der Museumsleitung für die Organisation der Ausstellung.
„Unser Land ist berühmt für die Geschichte der Fotografie, jeder kennt die Familie des Fotografen L’jev Matussovskij, jetzt entwickeln wir dies an der staatlichen Lugansker Akademie
Michaïl Matussovskijweiter, es gibt einen Wettbewerb für kreative Fotografie „Licht und Zeit“; wir wissen, dass der Rektor der Akademie selbst Fotograf ist, und vor kurzem seine Jubiläumsausstellung eröffnet hat. Viele junge Leute interessieren sich jetzt für die Fotografie, wenn auch auf einer neuen, digitalen Ebene. Aber wenn wir nicht wissen, wie es früher gemacht wurde, werden wir nicht in der Lage sein, etwas Neues zu schaffen“, sagte er. […]

Dienstag:

Auf ein Neues
Dan-news.info: Das
»Metallurgische Werk Jenakiewo« (EMS) plant die Wiederinbetriebnahme eines der beiden Hochöfen, die im März dieses Jahres außer Betrieb genommen wurden. Das erklärte heute Alexej Wel’možin, stellvertretender Leiter des Werkes, gegenüber der Presse.
„Unser Unternehmen hat etwa drei Monaten stillgestanden. Im Moment führen wir die begleitenden Arbeiten für die Inbetriebnahme unseres Werkteils, die Koksbeladung und das anschließende Anblasen des Ofens durch“, so Wel’mo
žin.
Er fügte hinzu, dass die Aussetzung der Arbeiten auf Probleme mit der Rohstoffversorgung zurückzuführen war. Die Situation hat sich mit dem Eintritt eines neuen Investors in die nicht-börsennotierte
Wnjèštorgsèrwis‹ (»Außenhandelsservice«) AG [WTS], zu der das Werk gehört, verbessert. Jevgenij Jurčenko, Generaldirektor der Finànssowyje Aktíwy‹-Holding ist heute persönlich gekommen, um die vorbereitenden Arbeiten zu begutachten und mit den Arbeitern zu sprechen.

„Von Ihnen wird vor allem verlangt, dass Sie begreifen, was jetzt abläuft: Wir haben den Rohstoff verladen, er befindet sich schon auf dem Territorium der Donezker Volksrepublik“, wandte sich Jurčenko an die Arbeiter. Es wäre sehr wünschenswert, dass nach dem Start und bis zum Tag des Metallarbeiters die Stimmung kämpferisch und optimistisch ist, denn es gibt kein Problem, das wir jetzt nicht lösen könnten“.
Laut Wel’mo
žin laufen die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme des Ofens bereits seit etwa einem Monat. „Wir erwarten, dass der Hochofen 3 diese Woche angeblasen wird. Danach, in eineinhalb bis zwei Monaten, wollen wir mit einer Produktion von 2000 – 2100 Tonnen pro Tag beginnen“, so der stellvertretende Betriebsleiter.

(100 Jahre EMS)
Das Werk verfügt über zwei Hochöfen,
3 und 5, mit Volumina von 1719 bzw. 1513 Kubikmetern. Ihre maximale Tagesleistung beträgt 3200 – 3600 Tonnen Roheisen. Der zweite Ofen ist derzeit noch inaktiv.
Das EMS ist einer der größten Stahlproduzenten im Donbass. Aufgrund der Verschärfung der Wirtschaftsblockade durch die Ukraine im Jahr 2017 führten die DVR-Behörden eine Äußere Verwaltung des Unternehmens ein.

Wenn der Arbeitsmarkt es hergibt
Dan-news.info: „Das
»Metallurgische Werk Jenakiewo« (EMS) plant, bis Ende 2021 über 1500 neue Mitarbeiter einzustellen, um die geplante Auslastung zu erreichen“, so die Leiterin der Personalabteilung Tat’jana Chalafowa heute.
„Heute beschäftigt das Unternehmen 4445 Mitarbeiter und wir haben die Anzahl der Mitarbeiter, die für eine normale Produktion und eine stabile Auslastung notwendig ist, berechnet; es sind etwas mehr als 6000. Bis zum Ende des Jahres werden wir diese Anzahl an Mitarbeitern haben“, gibt sich Chalafowa zuversichtlich.
Ihr zufolge gab es im letzten und in diesem Jahr einen erheblichen Personalabfluss: 2020 verließen mehr als 1200 Mitarbeiter die Firma, 227 wurden eingestellt, seit Anfang dieses Jahres gingen etwa 600 Personen. In diesem Zeitraum wurden 166 Mitarbeiter eingestellt.
Die Hauptgründe für den Mitarbeiterverlust waren die Reduzierung der Produktion im letzten Jahr und die Einstellung des Betriebs im März dieses Jahres sowie erhebliche Lohnrückstände. […]
Laut Nikolaj Belezkij, Finanzdirektor des EMS, betrugen die Lohnrückstände, bevor der neue Investor, Jevgenij Jur
čenko, kam, etwa eine Milliarde Rubel inklusive Steuern, jetzt belaufen sie sich noch auf etwas über 500 Mio. Rubel. „Hier sind die Entlassenen mit eingerechnet, wir haben einen solchen Zeitplan, dass wir bis Ende August die Lohnrückstände komplett beseitigt haben werden“, so der Finanzdirektor abschließend. […]

Der Brunnen auf dem Leninplatz
Dontimes.ru: Die Restaurierung des Brunnens auf dem Leninplatz in Donezk zum Tag der Stadt hat begonnen. Es ist die erste Renovierung seit 20 Jahren. In dieser Zeit sind Abdichtung und Granitbeschichtung schadhaft geworden.
„Zur Zeit führen Fachleute die Wiederherstellung sowohl der Abdichtungsschicht an der Basis des Beckens unter Anwendung moderner Materialien als auch der Granitverkleidung durch.
Alle Arbeiten sollen bis zum lang ersehnten Feiertag – dem Tag unserer Stadt – abgeschlossen sein“, schreibt Bürgermeister Alexej Kulemsin in seinem Telegrammkanal.

»Machen wir unsere Heimatstadt Donezk zum Vorbild!« (infodon.org.ua)
Der wichtigste Brunnen der Stadt wurde bereits 1958 gebaut und ist seither eines der Symbole der Stadt. Im Jahr 2003 wurde er renoviert und arbeitete danach mit Musik und Illumination.

Die Ernte hat begonnen
Dontimes.ru: Die Erntekampagne hat in vier Rayons der Republik, Starobješewo, Tel’manowo, Amwrosijevka und Nowoasòvsk, begonnen, wie der Pressedienst des Landwirtschaftsministeriums der Donezker Volksrepublik berichtet.
Die Landwirte geben an, dass bereits etwa 3500 Tonnen Getreide geerntet wurden.
„Wir haben 475 Hektar Winterweizen, 278 Hektar Sommergerste und 156 Hektar Wintergerste geerntet. Bei der diesjährigen Ernte und in der Nebensaison werden mehr als 2000 Maschinen zum Einsatz kommen, Traktoren, Mähdrescher und Scheibeneggen“, heißt es in dem Bericht. Die Gesamtfläche der zu erntenden Getreide- und Hülsenfrüchte beträgt 161.700 Hektar.

Mittwoch:

Marussino bleibt
Lug-info.com: Der Transnationale Konzern (TK)
»Eisenbahnen des Donbass«, zu dem die »Lugansker Eisenbahn« und die »Donezker Eisenbahn« gehören, hat beschlossen, den Betrieb des Bahnhofs Marussino fortzuführen.
„Nach den Ergebnissen der ersten Hälfte des Jahres 2021, wurde eine positive Entscheidung über die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit der Fortsetzung der Arbeit des Bahnhofs im Wagenladungsverkehr zu Ladestellen und Anschlüssen des nichtöffentlichen Verkehrs getroffen,“ heißt es in der Nachricht.

Der Konzern teilte mit, dass „in der ersten Hälfte des Jahres in Marussino 944 Wagen versandt wurden, 264 mehr als erwartet“. „Vom 1. Juli 2021 bis Juni 2022 sollen es über 2000 sein“, wurde hinzugefügt.
Der Bahnhof Marusino der
»Lugansker Eisenbahn« ist ein Güter- und Personenbahnhof an der Strecke Šterovka – Krasnyj Luč, der sich am nördlichen Stadtrand von Krasnyj Luč befindet. Der Verkehr zu dieser Station wurden 2014 aufgrund des Ausbruchs der Feindseligkeiten im Donbass eingestellt. Am 1. Januar 2021 nahm er den Betrieb zunächst vorübergehend wieder auf. Bis zum 26. Januar hatten die Eisenbahner bereits etwa 100 Wagen abgefertigt und eine Reihe von Anschlussverträgen abgeschlossen.

Donnerstag:

Postcrossing *
Dontimes.ru: Am 14. Juli gab das Staatliche Unternehmen
čta Donbàssa eine Briefmarke und den Ersttagsstempel 10 heraus, die dem Postcrossing gewidmet sind. Auf der Briefmarke 257 ‚Happy Postcrossing!‘ ist eine Weltkugel abgebildet, die die internationale Bedeutung des Postcrossing symbolisiert, sowie Architektur und Denkmäler von Donezk, die das Lokalkolorit widerspiegeln. Der 24-Rubel-Wert wurde in einer Auflage von 30.030 Stück gedruckt.

Ergänzt wird die Ausgabe durch doppelseitige Kunstpostkarten ‚Happy Postcrossing!‘, ‚Ich liebe Postcrossing!‘ und ‚Happy Postcrossing! From Donetsk with Love!‘. Die Karten zu je 20 oder 30 Rubel gibt es in einer Auflage von je 1000 Stück.
* Postcrossing – Wikipedia
Seine Popularität führte nicht nur zu einem Wiederaufleben der Nachfrage nach Postkarten, sondern machte sie auch zu einer so begehrten Ware, dass in einigen Ländern Online-Shops entstanden, die sich ausschließlich auf den Verkauf von exklusiven Postkarten spezialisiert haben.

Lugansker Gussmechanisches Werk
Lug-info.com: Die börsennotierte
»Lugansker Gussmechanisches Werk« (LMS) AG hat das Produktionsvolumen der Vorkriegszeit fast wieder erreicht. Dies wurde von Vorstandsmitglied der Alexej Natarov berichtet.
„Jetzt haben wir fast die Produktionszahlen der Vorkriegszeit erreicht. Wenn alles gut läuft, sollten wir dieses Jahr mit besseren Zahlen abschließen als letztes Jahr und sogar besser als 2019, das schon ein gutes Jahr für die Anlage war. Ich denke, dass wir am Ende mit einer Jahresproduktion im Wert von über 800 Mio. Rubel (9,13 Mio. Euro) dastehen werden“, sagte er.

Natarov stellte klar, dass aufgrund der Pandemie die Nachfrage leicht zurückging und das Werk bis Ende 2020 Waren im Wert von etwa 700 Mio. Rubel produziert hat. Dabei ist das Werk zu fast 100 % ausgelastet. Die Hauptprodukte, die im Werk hergestellt werden, sind gusseiserne Heizkörper, Kanalisationsschächte und -einläufe; der Großteil der Produkte wird nach Russland und Belarus exportiert. Im Werk sind mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt. Der Durchschnittslohn der Arbeiter beträgt 30.000 Rubel.
„Da die Nachfrage nach unserer Art von Produkten gestiegen ist, plant das Werk eine Umstellung auf einen neues Arbeitsschema. Wir haben das Angebot um spezielle Luken und Maschinenbauteile erweitert. Es geht um bis zu 40 zusätzliche Mitarbeiter: Wir stellen hochqualifizierte Schlosser, Kranführer und Elektronikspezialisten ein“, sagte Natarov.
Das LMS ist auf die Herstellung von Grauguss und hochfestem Gusseisen sowie von Teilen aus Kohlenstoff- und legierten Stählen spezialisiert.
Die Anlage wurde durch den Beschuss der ukrainischen Streitkräfte im Sommer und Herbst 2014 schwer beschädigt. Die Werkstätten des Werks wurden beschädigt, Geräte wurden teilweise außer Betrieb gesetzt und das Verwaltungsgebäude vollständig zerstört. Durch die Anstrengungen der Mitarbeiter wurden die Werkstätten und die Ausrüstung vollständig wiederhergestellt. Schon im Sommer 2015 nahm das Unternehmen den Betrieb wieder auf.

Das Leben in Alexandrovka
Vsednr.ru: Die Siedlung Alexandrovka steht unter ständigem Beschuss ukrainischer Stellungen. Eine Korrespondentin der Zeitung
Donjèzk Wječèrnyj‹ (»Abendliches Donezk«) fuhr dorthin und sprach mit dem Leiter der Ortsverwaltung, Konstantin Čalyj, der seit sechs Jahren im Amt ist.
VOM ANZUG IN DEN KAMPFANZUG
Vor dem Krieg gehörte das Dorf zum Bezirk Mar’inskij-Bezirk, der zur Zeit von der Ukraine kontrolliert wird. Aleksandrovka grenzt an den südwestlichen Rand des Petrovskij-Bezirks von Donezk. Zu Beginn des Krieges wurde es diesem zugeordnet. Die Demarkationslinie verläuft durch den westlichen und den südwestlichen Teil des Dorfes.
Konstantin
Čalyj war vor dem Krieg ein erfolgreicher Leiter der Kohleabteilung eines Donezker Unternehmens. Er wollte zum Kampf nach Slawjansk gehen, erhielt aber nicht den Segen seines Priesters, der ihm sagte, dass die Menschen in Alexandrovka seine Hilfe bräuchten. Nach dem Volksreferendum am 11. Mai 2014 wechselte er vom Anzug in den Tarnanzug. Er wurde der Kommandantur von Alexandrovka zugewiesen.

„Die örtlichen Behörden flohen, die Menschen wurden ohne Verwaltung zurückgelassen. Wir führten auch Kampfaufgaben aus, mussten Polizist und Sanitäter sein. Wir transportierten Verwundete und begruben Menschen, da die Bestattungsunternehmen nicht funktionierten, löschten Brände, nahmen Plünderer fest und jagten Sabotagegruppen. Der erste Kommandant von Alexandrovka war Wladimir Čerkas, ich war sein Vertreter. Im Sommer 2015 wurde ich offiziell zum Kommandanten Alexandrovka ernannt“, sagte Čalyj.
Dank der präzisen Korrekturen von
Čalyj und Čerkas im Juli 2014 gelang es den Artilleristen der DVR, den sechsstündigen Beschuss von Alexandrovka durch ukrainische Stellungen in Mar’inka zu stoppen.
„Es gab einen schrecklichen Beschuss. Wir haben den Volksmilizionär Baikal angerufen und angeboten, die Feuerleitung zu übernehmen. Wir legten Karte und Kompass aus und gaben die Koordinaten an. Der erste Schuss war ein Volltreffer. Der Beschuss der Siedlung dauerte sechs Stunden lang, alles hier stand in Flammen. Das TNT stank so sehr, dass es in den Augen wehtat, die Menschen konnten nicht raus, es gab keine Möglichkeit, sie zu evakuieren. Alle saßen in Häusern, in Kellern, in Schulbunkern. Die Leute waren so verängstigt. So viele Häuser standen in Flammen“, erinnert er sich.
Nach seinen Worten starben in den Kriegsjahren 22 Einwohner von Alexandrovka durch den Beschuss, andere starben aufgrund von schwerem Stress, also an Herzversagen. „Nach jedem Bombardement hatten wir solche Fälle, wir schafften es nicht, die Menschen zu begraben. Pro Tag gab es zwei oder drei Beerdigungen“, sagt er.
IN REICHWEITE DES FEINDES
In eklatanter Verletzung der Minsker Vereinbarungen hat sich der ukrainische Feind auf dem Gebiet von Alexandrovka positioniert.
„Die Mordkommandos sind bereits in den südlichen Teil eingedrungen und stehen auf dem Territorium von Alexandrovka. Nur eine Wasserfläche trennt uns. Von den äußersten Häusern des Dorfes bis zu den ukrainischen Stellungen auf der anderen Seite des Teiches sind es 250 Meter. Die Bewohner der nahegelegenen Häuser können das ukrainische Militär hin- und herbrüllen hören. Mit bloßem Auge kann man ihre Schützengräben, Unterstände und die Maschinengewehre sehen, die auf uns gerichtet sind. Die festgelegte Demarkationslinie wird von der ukrainischen Seite nicht eingehalten“, sagt der Bürgervorsteher.
Ihm zufolge leben ältere Menschen und Familien mit Kindern immer noch in Häusern in der Nähe der ukrainischen Stellungen. Die Kinder fahren mit einem Schulbus zur Schule und zum Kindergarten im Zentrum der Siedlung.
„Drei unserer Bürger wurden in diesem Frühjahr getötet. Die letzten zwei Wochen waren mehr oder weniger ruhig. Die Scharfschützen sind sporadisch aktiv“, sagte Konstantin Wiktorowi
č.
„Es kamen einmal Granaten aus automatischen Werfern und Panzerfaustgeschosse in das Zentrum der Siedlung geflogen. Zuerst war der westliche Teil des Dorfes vom Beschuss betroffen, danach wurde die gesamte Siedlung „abgedeckt“. Ein Mädchen wurde in der Nähe der Schule verwundet. Das ist ihre Taktik: Ein Schützenpanzer kommt heraus und feuert mit voller Munition in das Dorf. Als die Kinder am 1. September 2017 zur Schule gingen, wurde ein Panzerabwehrgranatenwerfer auf das Zentrum von Alexandrovka abgefeuert“, empört sich Konstantin
Čalyj über das Vorgehen des ukrainischen Militärs.
Leider ist die OSZE-Mission, die die Situation hätte beeinflussen können, in letzter Zeit nur selten hier gewesen. „Die OSZE-Vertreter sagten früher, dass sie siebenmal pro Woche Posten aufstellen, ich habe sie aber nur zwei- oder dreimal gesehen. In letzter Zeit haben wir sie sehr lange nicht mehr gesehen“, erklärt er.

Ein Einwohner ist gekommen, um ein Problem zu lösen
LEBEN UM ZU ÜBERLEBEN
Vor dem Krieg lebten etwa 5000 Menschen in Alexandrovka, heute sind es 3500, davon 500 Kinder und 1400 Rentner. Die arbeitsfähige Bevölkerung zählt etwa 800 Personen.
In Aleksandrovka gibt es 42 einsame, pflegebedürftige ältere Menschen. „Ich beschloss, die Pflege selbst zu organisieren. Die Verwaltung hat einen Vertrag mit dem Arbeitsamt abgeschlossen. Unsere Leute, die dort auf der Arbeitslosenkartei stehen, helfen den älteren Menschen der Siedlung“, sagte er.
Konstantin
Čalyj machte dies, damit sich die Tragödien von 2015 nicht wiederholen, als ein alter Mann in Alexandrovka verhungerte und eine ältere Frau im Winter erfror. „Wir haben die ersten verlassenen alten Menschen. Als wir davon erfuhren, gingen wir zu allen Häusern im Dorf, um festzustellen, wer was brauchte, und begannen zu helfen. Für die einen haben wir gekocht, anderen den Ofen angeheizt. Das ist eine Sache, die ich bis heute nicht aufgegeben habe“, sagt er.
Abgesehen davon, dass die Menschen von ständigem Beschuss geplagt werden, was sie psychisch unter Druck setzt, gibt es ein weiteres Problem: den Mangel an Arbeit. Alexandrovka war früher ein wohlhabendes Dorf, in dem die Menschen auf Bauernhöfen arbeiteten, aber heute gibt es nur noch einen von vieren, und der arbeitet mit 20 % des Vorkriegsniveaus.
„Wir haben sehr fruchtbares Land, eines der besten im Donbass. Aber die Felder werden nicht bestellt. Sie sind vermint oder es wird um sie gekämpft. Vor dem Krieg besaßen die Bauern von Alexandrovka 2200 Hektar, ein Teil davon befindet sich jetzt in der Ukraine“, sagt er.
Die Menschen gehen größtenteils in Donezk oder noch weiter weg zur Arbeit.
Ein weiteres drängendes Problem im leidgeprüften Alexandrovka ist die Zerstörung von Wohnhäusern. Einheimische zeigten der
Wječerka-Korrespondentin ihre Häuser. In vielen von ihnen sind Dächer kaputt, Wände, Glas, Zäune und/oder Tore herausgesprengt. Teile des Wohnungsbestandes konnten wieder aufgebaut werden, aber der Bedarf an Baumaterialien bleibt akut.
„Es gibt 1600 Haushalte im Dorf, von denen 750 Schäden erlitten haben. Vierzig Häuser wurden bis auf die Grundmauern zerstört“, sagt Konstantin Wiktorowi
č.
„In den Jahren 2014-2015, der schwierigsten Zeit des Krieges, kam Unterstützung aus allen Ecken der Welt, wofür ich sehr dankbar bin. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, die Stadt und die Republik helfen beim Wiederaufbau des Wohnungsbestandes. Sie stellen Folien, Planen, Bretter, Nägel und Materialien zur Verfügung, die das Haus vor Regen und Schnee schützen“, sagt er.
DAS „MUSEUM“ DER PROJEKTILE
Im Büro des Ortsvorstehers befindet sich eine Batterie von Geschossen, Grüßen von der anderen Seite. Leider wächst diese ‚museale‘ Sammlung von Jahr zu Jahr.
Früher beherrschte er die Bergbauterminologie, jetzt beherrscht er die Militärfachsprache. „Das hier sind Granaten aus einer 73 mm-Schweren-Panzerbüchse (SPG-9). Mehrere davon liegen in fast jedem Grundstück des Dorfes. In den ersten Jahren des Krieges habe ich mitgezählt: 50 bis 70 Stück jeden Tag“, sagt
Čalyj und zeigt seine ‚Exponate‘. „Dies ist Uragan-Streumunition, die einen 19-jährigen Jungen und eine Frau getötet hat. Der Tötungsradius ist groß, es ist fast unmöglich, sich zu verstecken. Unter den Exponaten befindet sich auch eine Kiste „Grad“, die in den ersten beiden Kriegsjahren zum „Bügeln“ der Siedlung verwendet wurde.

Die 120 mm-Artillerieminen von sind ein Erbe von 2014 – 2016 , SPG-7-Granaten fliegen noch heute auf die Siedlung. 2014 wurden täglich fünf Panzerabwehrlenkraketen auf Alexandrovka abgefeuert, außerdem gibt es die 122 mm-Selbstfahrlafette Ssauška‹ und 80mm-Geschosse.
Konstantin kennt die Tragödien aller Familien, die unter diesen Geschossen leiden. „Früher haben die Leute über die Probleme gesprochen, erzählt und geweint. Jetzt … ,“ Konstantin hält inne. Man kommt zu keinem Ende. Die Schlussfolgerungen tun sich von selbst auf: In diesem Frontbezirk, in diesem Horror (!), müssen Menschen leben, arbeiten und Kinder großziehen.
Wiktorija Ljev, Zeitung Donjèzk Wječèrnyj

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