Neuigkeiten aus der Wirtschaft der Volksrepubliken des Donbass vom 08. bis 14.06.2020

Quellen: offizielle Seiten der Regierungen der Volksrepubliken, dan-news, lug-info, dnr-online.ru, mptdnr.ru, Dnrailway sowie ukrinform, ria.ru und sputnik
Ausgewählt und übersetzt durch das Kollektiv der „Alternativen Presseschau“


Nachtrag vom 7. Juni:

LVR-Gewerkschaften zur Reform der Kohleindustrie
Lug-info.com: Wie der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes der LVR, Igor Rjabuschkin, der Agentur berichtet, hat das im Rahmen der Reform der Kohleindustrie der Republik geschaffene Staatliche Unternehmen (GUP) Wostòk Úgol‹ (»Ostkohle«) nach einem Monat seine Prioritäten veröffentlicht. […] „Morgen beginnen die Lohnzahlungen für den Monat Mai“, sagte der Gewerkschaftschef. Der Hauptzweck der Reform ist, die Unternehmen verlustfrei zu machen. Er fügte hinzu, der technische Zustand, die Ausrüstungen, der vorhandene Stamm von Spezialisten, die geplanten Investitionen, die Kohlereserven und das breite Spektrum von weiterverarbeitenden Unternehmen im Bestand des GUP, „das ist eine Basis für erfolgreiche Arbeit für viele Jahre. Mehr noch: Ich kann mit Überzeugung sagen, bei der geplanten Kohleförderung können die Löhne der Bergleute bis zum Jahresende erhöht werden. Das hängt von der Effizienz des einzelnen Unternehmens, von der geförderten Menge ab. Das Schema lautet: Je mehr wir abbauen, desto mehr bekommen wir. Es muss nicht nur die Arbeit gerecht bewertet werden, es muss auch Stimuli geben.“ […]


Dienstag:

Eisenbahner können aufatmen
Lug-info.com: Staatschef Denis Puschilin bestätigte heute die Auszahlung der ausstehenden Gehälter an die Eisenbahner der Republik. Bei einem Treffen äußerste sich der Generaldirektor der DShD, Wladimir Kabazij. „Wladimir Wasiljewitsch, es ist Ihre Pfl
icht, die berechtigten Ansprüche der Beschäftigten zu erfüllen und die kritische Situation zu beendigen“, wandte sich Puschilin an den Bahnchef zu Beginn der Veranstaltung. Kabazij: „Wir konnten für den Monat April Gehälter in Höhe von 77 Mio. Rubel nicht auszahlen; bis heute bleibt nur noch ein Rückstand von 5,7 Mio. im Bereich des Knotens Donezk. Der wird heute ausgezahlt, und damit sind wir für April im Reinen. Die Zahlungen für Mai haben ebenfalls begonnen.“ „Solange die Situation sich nicht stabilisiert hat, muss sie ständig kontrolliert werden; das Problem ist noch nicht gelöst“, antwortete Puschilin. Der Generaldirektor wurde beauftragt, der Staatsanwaltschaft Rechenschaft abzulegen. […] (Die Lohnzahlungsrückstände waren durch den Einbruch im Güterverkehr wegen der Corona-Pandemie verursacht, Anm. d. Übers.)


Gratis-Hausbrandkohle

D
an-news.info: Bedürftige Bürger erhielten von Unternehmen der DVR in diesem Jahr schon 61.014 Tonnen Kohle gratis, so der Pressedienst des Ministeriums für Kohle und Energiewirtschaft. Das sind 37,8% des Jahresbedarfs. Aktive und Rentner des Staatlichen Unternehmens (GP) Tòresantrazít bekamen 33.879 Tonnen, die der Donèzkaja Úgolnaja Energetítscheskaja Kompánija‹ 6534 Tonnen, GP ›Makéjewúgol‹ 1705, Bergwerke ›Komsomòljez Donbàssa‹ 15.856 und ›Sasjàdko‹ 2674 Tonnen. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 162.000 Tonnen Kohle.


Kraftwerke haben Priorität

D
an-news.info: Wie der Pressedienst des Ministeriums für Kohle und Energiewirtschaft der DVR mitteilt, haben Fachleute des Kraftwerks Starobjeschewo die Überholung des Blocks 11 abgeschlossen. Arbeiten an einem anderen Objekt werden kommende Woche vollendet. […] Das
Werk arbeitet zur Zeit mit fünf Blöcken. Für die Instandhaltung sind im laufenden Jahr ungefähr eine Milliarde Rubel vorgesehen. Das in Novyj Swjet südlich von Donezk gelegene Kraftwerk wurde 1958 in Betrieb genommen und ist die größte Energieanlage des Landes.


Neue Kommunalfahrzeuge

Vsednr.ru: Bis Ende Juni bekommen die Städte und Rayons der Republik über 30 neue Ein
heiten. Das erklärte der Minister für Bauwesen und kommunale Wohnungswirtschaft, Sergej Naumjez, heute. Es geht um Tankwagen, Hubsteiger, Bagger, Müllfahrzeuge, Straßensprüh- und -reinigungsfahrzeuge. Wie der Minister sagte, sei die vorhandene Technik seit mehr als zehn Jahren nicht erneuert worden.


Streik gegen die Reform der Kohleindustrie

Colonelcassad.livejournal.com:
Die Geschichte von der Schließung unrentabler Bergwerke in der LVR, die massenweise Streiks der Kumpel hervorruft, setzt sich fort. Vor gar nicht langer Zeit gab es schlechte Nachrichten aus Sorinsk, und heute wird auch schon in Antrazit gestreikt. Die Gründe sind immer dieselben: ausbleibende Lohnzahlungen, das Fehlen klarer Perspektiven usw. Im Wesentlichen machen die Staatsorgane in der LVR immer dieselben Fehler. Die Weigerung der Eigentümer der Bergwerke, die Löhne zu zahlen, führt logischerweise zu sozialen Unruhen. „Der Streik im Bergwerk Komsomòlskaja begann am 5. Juni“ , berichtet die Gewerkschaftsaktivistin Galina Dmitrijewa, die den Kontakt zu den Kollektiven hält. „Die zweite Schicht machte eine Versammlung unter Tage, weigerte sich, auszufahren und forderte die Löhne für März und April. Am 21. April gab es schon eine solche Protestaktion, an der 136 Menschen teilnahmen. Nach der Zahlung des größten Teils der Schulden wurde die Aktion beendet. […] Den Rest versprach die Führung, bis zum 15. Mai auszuzahlen, aber es geschah nichts. Schlimmer noch: Es wurde ein neues System eingeführt, das praktisch zu einer schlechteren Bewertung der Arbeit führte. Am Abend des 5. Juni erhielten die Streikenden nach ihren Worten Drohungen von der Leitung und sogar vom Ministerium für Staatssicherheit der LVR. Es fuhren keine Busse, die die dritte Schicht zur Arbeit hätten bringen sollen; diese Leute machten sich selbst auf den Weg und vereinigten sich mit den Streikenden. Daraufhin wurde fast die Hälfte der Löhne für März gezahlt, was den Bergleuten nicht genügte. Am Abend des 6. Juni wurde den mittlerweile 150 Streikenden bekannt, dass die Werksleitung angeblich eine Liste von 130 zu entlassenden aus den Reihen der Streikenden erstellt hätte. Wladimir Schatochin, Leiter des neu gegründeten Unternehmens Wostòk Úgol‹ (»Ostkohle«) wandte sich an die Arbeiter ‚ihr Werk sei Ballast und erfordere hohe Investitionen; mit den Löhnen müsse man sich gedulden bis es rentabel würde. Das nötige Geld sei zur Zeit einfach nicht vorhanden‘. Die Aktion unter Tage wurde dadurch natürlich nicht beendet.“ Nun ist auch die Staatsanwaltschaft mit der Thematik beschäftigt. Wenn das früher geschehen wäre und man die Probleme mit den Geldern gelöst hätte, wäre man jetzt nicht mit den Folgen der Streiks konfrontiert. Die Angelegenheit wird natürlich von der ukrainischen Propaganda ausgeschlachtet, obwohl dort aus genau denselben Gründen gestreikt wird. Die Sache der Lugansker Bergleute ist gerecht, und ich hoffe, die Staatsführung ergreift die zur Zahlung der ausstehenden Löhne erforderlichen personellen Maßnahmen.


Mittwoch:

Investitionen in die Wohninfrastruktur
Dnronline.su: Im Ministerium für Bauwesen und kommunale Wohnungswirtschaft fand heute ein Briefing zu Fragen des Wiederaufbaus von Wohngebäuden, die im Krieg zerstört wurden, und ihres Umfeldes statt. Wie Minister Sergej Naumez sagte, gestattet der finanzielle Rahmen dieses Jahr den Aufbau von 46 Mehrfamilienhäusern und 33 Gebäuden kriegszerstörter sozialer Einrichtungen. 19 weitere Objekte werden generalrepariert. Die beschlossene Planung sieht außerdem die Neueindeckung der Dächer von 122 Wohngebäuden, die Erneuerung von 197 Aufzügen sowie Reparatur oder Rekonstruktion von Anlagen der Wärme-, Gas-, und Wasserversorgung vor. […] Für das Programm stehen ungefähr eine Milliarde Rubel zur Verfügung. In der Straße der Stratosphärenflieger (ja, die heißt so!) laufen bereits Arbeiten an Wohngebäuden, am Kesselhaus und einer Umspannstation. Wie der Minister hinzufügte, sind Arbeiten an den Grenzkontrollpunkten Aleksàndrowka und Gòrlowka so gut wie abgeschlossen, die an der Grenze in Uspjenka (Richtung Taganrog [RU]) sind in Vorbereitung.


Sonnabend:

Internetseiten nach Berichterstattung über Streik gesperrt
Colonelcassad.livejournal.com:
Es entbehrt nicht der Ironie, aber nach den Veröffentlichungen über den Streik im Bergwerk Komsomòlskaja wurde der Zugang zum Internetportal Rússkaja Wjesnà‹ (»Russischer Frühling«) für Bürger der LVR blockiert.
Dazu schreibt die Redaktion von „Rússkaja Wjesnà“: Hunderte unserer Leser meldeten das in Kommentaren und Briefen an die Redaktion. Das gleiche geschah mit dem Portal
»Antifaschist«, das sachlich berichtet hatte, und dem russischen sozialen Netzwerk >vk<. Bis zum Abend hat sich die Situation nicht geändert, und wir hoffen sehr, dass der Staatspräsident Leonid Pasetschnik einfach nicht über solche Eigenmächtigkeiten in der Informationspolitik informiert war und erwarten gerechte Lösungen sowohl für die Bergleute als auch in Bezug auf die Informationsportale.
Wir möchten anmerken, dass wir der Führung der DVR zugute halten, das wir niemals, selbst nach kritischen Veröffentlichung, Bitten erhalten haben, Materialien in Bezug auf die Staatsorgane der Republik, die uns manchmal unsere Leser schicken, zu entfernen oder zu korrigieren. Mehr noch – diese Kritik hat immer eine angemessene Erwiderung erhalten, die wir gern veröffentlicht haben
Im gleichen Sinne äußert sich auch der bekannte russische Militärjournalist Semjon Pegow: „In der LVR vollzieht sich zur
zeit Seltsames. Man hat den Eindruck, es gebe nicht nur eine Macht, sondern mindestens zwei, die in parallelen Welten leben. Die eine verteidigt die Städte und kämpft für einen unabhängigen Donbass, die andere betreibt finstere finanzielle Intrigen und blockiert Seiten wie Rússkaja Wjesnà.“ [gekürzt]
Es scheint als habe irgendjemand in der LVR nicht mehr alle Tassen im Schrank und er lebe in einer illusorischen Welt rosiger Phantasien. Neben den medialen Schäden in Verbindung mit den Streiks der Bergleute, deren sich die ukrainische Propaganda schon zur Genüge bedient, spielt man ihr selbst noch solche Trümpfe in die Hand. Der klassische informatorische Selbstmord und ein Mittel, sich selbst für professionell gänzlich inkompetent zu erklären. Anstatt die Probleme – einschließlich der Bestrafung der Bergwerkseigentümer bzw. derjenigen Personen, die diese Situation ausgelöst haben – zu lösen, erregt man sich, versucht, die Streikenden und die Medien, die darüber berichten, einzuschüchtern und den Eindruck zu erwecken, das sei alles unabdingbar. Jetzt haben sie begonn
en, für April auszuzahlen. Es ist nicht schwer zu erraten, dass, hätte es keine Streiks und keine Berichterstattung – speziell in Rússkaja Wjesnà– gegeben, überhaupt nichts passiert wäre.


Staatspräsident Pasetschnik an die streikenden Bergleute

Colonelcassad.livejournal.com:
„An das Arbeitskollektiv des Bergwerks Komsomòlskaja: Verehrte Bergleute, nach den Artikeln 56 und 59 bin ich der verfassungsmäßige Garant für die Beachtung der Freiheits- und der Bürgerrechte. Ausgehend von der Forderung des Erlasses UG-552/19 vom 15.08.2019 »Über die Leitung der staatlichen Exekutivorgane der Lugansker Volksrepublik« ordne ich Folgendes an:
Den Justizorganen der Lugansker Volksrepublik ist die strafrechtliche oder andere Verfolgung der Mitarbeiter des Bergwerks ›Komsomòlskaja‹ und ihrer Familienmitglieder verboten.
Die Leitung des
Staatlichen Unternehmens ›Wostòk Úgol‹ der Lugansker Volksrepublik hat die Gelder zur Begleichung der Lohnschulden für April 2020 zu überweisen.
Über die anderen Zahlungen wird bis Ende Juli 2020 entschieden.
Hochachtungsvoll,
Das Staatsoberhaupt der Lugansker Volksrepublik L. I. Pasetschnik “
0fNKiUliw8I
https://sun9-10.userapi.com/c857224/v857224195/1b6661/0fNKiUliw8I.jpg
[ …] So haben Eingaben aus der Bevölkerung an Pasetschnik, sich direkt in die Situation einzumischen, Resultate gezeigt, die bislang zu einer teilweisen Befriedigung der Forderungen der Bergleute geführt haben.
Der Vorsitzende der unabhängigen Gewerkschaft Waskowskij teilte mit, dass die streikenden Bergleute an die Oberfläche ausgefahren sind, und dass die Werksleitung die laufenden Schulden beglichen hat. Den Bergleuten und ihren Familienmitgliedern wird garantiert, dass keine Anklagen gegen sie in der Angelegenheit erhoben werden. (›Rússkaja Wjesnà‹)

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s