Fünf Jahre LVR – Interview mit Wladimir Kornilow

Lug-info.com: Der Historiker, Politologe, Kommentator der internationalen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja (heute) und Autor des Buches Die Sowjetrepublik
Donez-Kriwoi Rog – ein erschossener Traum
*, Wladimir Kornilow, nennt dem Informationszentrum in einem Blitz-Interview seine Sicht des fünfjährigen Republikjubiläums
LIZ: Fünf Jahre LVR. Welche Errungenschaften der Republik halten Sie für die wichtigsten und wovon haben wir heute noch nicht genug?
W.K.: Die allerwichtigste Errungenschaft der LVR und auch der DVR ist, dass die Republiken überlebt haben, standgehalten haben und bestehen. Wir haben schon soviel über die Donezker Republik von 1918 gesprochen, sie hat nur ein paar Monate existiert, aber nichtsdestotrotz eine heiße Spur hinterlassen. Die heutigen kämpfen, festigen sich und wurden zum Fakt, den die Welt zur Kenntnis zu nehmen hat. Das ist natürlich ein großer Sieg und unzweifelhaft eine Errungenschaft.
LIZ: Was bedeuten die Republiken des Donbass‘ heute für Russland?
W.K.: Russland ist ein großes Land. Deshalb gibt es unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Ansichten. Sie erinnern sich sicherlich noch, wie und wie oft im Laufe dieser fünf Jahre diverse ‚gute Menschen‘ aus vollem Halse schrien: ”Putin hat den Donbass verraten.” Ich denke, die letzten Erlasse des Präsidenten der Russischen Föderation haben gezeigt, dass Russland nicht zurückstecken und den Donbass mit allen Mitteln verteidigen wird.
LIZ: Ihre Prognose für die nächsten und mittelfristigen Perspektiven?
W.K.: Diese Frage wird mir unverändert jedes Jahr gestellt. Ich würde Sie gern im Stil einiger meiner Kollegen erfreuen und erklären, dass Russland die Republiken morgen anerkennt oder sogar aufnimmt. Ich glaube, man sollte sich keine falschen Hoffnungen machen, sie führen am Ende zur Ausweglosigkeit. Aber wie Sie sehen, haben Putins letzte Erlasse zur Erlangung der russischen Staatsangehörigkeit für Bürger der Republiken gezeigt, dass nichts in dieser Welt unmöglich ist. Frieden wird es allerdings nicht morgen, und auch nicht übermorgen geben. Der Kampf um die Freiheit wird noch lange dauern, nehmen Sie es mir nicht übel.
LIZ: Ihre Wünsche der Republik und ihren Bürgern?
W.K.: In erster Linie wünsche ich Gesundheit. Soviele meiner Bekannten und Freunde sind in den letzten paar Jahren im Donbass gestorben, dass es furchtbar ist, daran zu denken. Dabei sind der Löwenanteil ihrer keine direkten Opfer des Krieges, wurden nicht nicht von Kugeln oder ukrainischen Granaten getötet. Das Leben im permanenten Stress fordert auch seine Opfer. Als Zweites wünsche ich die Verwirklichung meines Traums. Seit 1989, als mir der Schrecken des ukrainischen Nationalismus‘ bewusst wurde, habe ich dafür gekämpft, dass sich meine Heimat Donbass mit meiner Heimat Russland vereinigen wird, dass wir wieder ein einheitliches Land, ein einheitliches Staatsgebiet werden. Ich wünsche von Herzen, dass das Wirklichkeit wird und dass möglichst viele der jetzt lebenden Menschen diesen glücklichenMoment noch erleben werden.

* Die autonome Sowjetrepublik Donez-Kriwoi Rog wurde im Februar 1918 in den Becken von Donezk und Kriwoi Rog als Teil der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen. Einen Monat später, im März wurde die Aufnahme des Territoriums der Republik in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) verkündet. Im April von den Deutschen besetzt, wurde im Februar 1919 die endgültige Auflösung offiziell vollzogen.

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