Kommunisten in den Volksrepubliken des Donbass – Neuigkeiten vom 22.07.2017

Ausgewählt und übersetzt durch das Kollektiv der „Alternativen Presseschau“

Wpered.su: Über unsere Ideologie: laut nachgedacht

Nun befindet sich unsere Republik schon seit mehr als drei Jahren im Zustand des Bürgerkriegs und wehrt mutig die aggressiven Kriegshandlungen von Seiten der Kiewer Truppen und der nationalistischen Banden ab. Seit dreieinhalb Jahren bauen wir unter unglaublich schweren Bedingungen der Wirtschafts-, Transport- und Lebensmittelblockade, die durch Kiew betrieben wird, erfolgreich unseren Volksstaat auf. Wir bauen einen sozial gerechten, rechtlichen, multinationalen, auf echter Volksmacht gegründeten Staat auf. Und ich denke, diese einmalige und unschätzbare Erfahrung der Schaffung eines Volksstaats wird unbedingt in die Geschichtsbücher eingehen, aus denen unsere Kinder und Enkel lernen werden.
Es muss besonders unterstrichen werden, dass ein sehr wichtiges Attribut einer Staatlichkeit neben einem stabilen Finanz- und Wirtschaftssystem und angemessenen Streitkräften auch die Ideologie ist. Es ist allgemein bekannt, dass man unter Ideologie ein System der politischen, rechtlichen, moralischen, religiösen, ästhetischen und philosophischen Ansichten und Ideen versteht,
innerhalb derer die Beziehungen der Menschen zur Wirklichkeit begriffen und bewertet werden. Einfacher gesagt – die Ideologie – von den Worten Idee, Ideal, die die Mehrheit der Bürger des Landes verstehen und akzeptieren. Es ist ein eigenes System von Werten. Und in dieser Beziehung muss man mit Bedauern feststellen, dass hier bei uns nicht alles in Ordnung ist und wir uns erst am Anfang des Weges befinden.
Natürlich wenden wir bei der Suche nach einer akzeptablen Ideologie unseren Blick auf die Russische Föderation, die uns unschätzbare Hilfe im Widerstand gegen den bestialischen Aggressor und bei Aufbau eines neuen Lebens geleistet hat. Aber wenn man sich die russische Verfassung ansieht, die von ausländischen Beratern noch unter dem Totengräber der Sowjetunion Jelzin erarbeitet wurde und eilig im Jahr 1993 angenommen wurde, nachdem das russische Parlament zerschossen wurde, so entdecken wir, dass Artikel 13 keinerlei Ideologie in Russland vorsieht. Es ist etwa ein Vierteljahrhundert seit diesen tragischen Ereignissen vergangen und das Leben selbst hat die Absurdität dieses Artikels gezeigt, weil kein einziger souveräner Staat ohne Ideologie existieren kann, die durch Ideen die Zivilgesellschaft zusammenhält.
Jetzt sehen wir, wie in Russland die Suche nach einer neuen Ideologie läuft und ein aktiver Prozess der Ausarbeitung stattfindet. Wir beobachten mit Interesse den Versuch, ein eigenes und in gewisser Weise hybrides System von Werten zu schaffen, indem man künstlich eine religiöse Weltanschauung und eine Auswahl monarchischer Ideen vereint. Der Versuch ist aus meiner Sicht nicht sonderlich erfolgreich. Aber man kann eben nicht offen die liberal-bourgeoise Verbrauchermoral zeigen und befestigen, sie über alle noch in den Volksmassen lebendigen Ideen der sozialen Gerechtigkeit und der sowjetischen Werte stülpen.
Also muss man zur traditionellen Religion und zum Monarchismus greifen. Bald, so denke ich, wird die Sache zu der bekannten Triade des Minister Uwarow unter Nikolaj I. gelangen: Selbstherrschertum, russisch-orthodoxe Religion, Volkstümlichkeit. Für mich als Historiker ist es traurig zu beobachten, wie in allen Fernsehsendern eine klare Idealisierung aller herrschenden Persönlichkeiten ohne objektive Bewertung läuft.
Nehmen wir beispielsweise die Herrschaft des oben genannten Imperators Nikolaj I. Unter seiner Herrschaft wurde mit sinnloser Härte der sogenannte Dekabristenaufstand niedergeschlagen, die nur einige fortschrittliche Reformen in Russland wollten: die absolute Macht des Imperators einschränken, wenn nicht durch ein Parlament, so doch durch eine Verfassung, die Bauern befreien und ihnen erlauben, mit voller Kraft von Verstand und Begabung zu arbeiten. Der Aufstand der Dekabristen wurden durch die Tragödie auf dem Senatsplatz beendet, die Todesstrafe für fünf Dekabristen und dreißigjährige Verbannung ehrenhafter und edler Menschen aus Russland, die aus den bedeutendsten Familien und adligen Geschlechtern kamen. Mehr als 120 Menschen wurden in die Bergwerke Sibiriens geschickt, sie arbeiteten in Ketten gelegt vier Jahre lang und nach dem Tod Nikolajs konnten nur 19 Menschen nach Hause zurückkehren. In den Jahren der Regierung Nikolaj I. (1825-1855) wurden so begabte, geniale Menschen wie S. S. Gribojedow, A. S. Puschkin, M. Ju. Lermontow, T. G. Schewtschenko vernichtet und der Philosoph P. Rj. Tschaadajew wurde offiziell als geistesgestört erklärt.
Und dies ist nur ein Beispiel der deutlichen Idealisierung der herrschenden Monarchie. Solch einseitige Bewertungen ohne kritische Analyse kann man ohne Ausnahme in Bezug auf alle herrschenden Familien sehen und hören. Leider sind die wichtigen wissenschaftlichen Analyseprinzipien bezüglich des Handelns historischer Persönlichkeiten vergessen: das Prinzip der Objektivität und des dialektischen Herangehens.
Deshalb ist es nach meiner Sicht für uns alle, besonders für die Geschichtslehrer, bei der Arbeit mit der Jugend notwendig, sich so vorsichtig wie möglich – und ich würde sagen zurückhaltend – zu unserer historischen Vergangenheit zu verhalten. Denn der historische Prozess ist keine Hauptstraße, die Geschichte ist vielschichtig, schwierig und widersprüchlich und man sollte an sie nicht mit Vereinfachungen und einseitig herangehen. Besonders bei der Analyse der Handlungen historischer Persönlichkeiten. Hier ist eine allseitige objektive Analyse notwendig. Und gerade diese Prinzipien müssen notwendigerweise bei der Ausarbeitung unserer Ideologie verwendet werden, indem man auf unserer historischen Vergangenheit und der Gegenwart operiert.

Inna Gretschko, Sekretärin des Gorlowka
er Stadtkomitees der KP der DVR.

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