Presseschau vom 09.08.2014

humanitäre Katastrophe und humanitäre Hilfe a la Poroschenko


Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, rusvesna.su, hinzu kommen Informationen der Seiten „Novorossia“ sowie „dnr-news“ und „novorosinform“.  Wir beziehen manchmal auch ukrainische Medien BigMir, UNIAN, Ukrinform, KorrespondenT und die Online-Zeitung Timer aus Odessa ein.
Zur besseren Unterscheidung der Herkunft der Meldungen sind Nachrichtenquellen aus den neuen ostukrainischen Volksrepubliken in Rot ( Portal Novorossia, dnr-news, novorosinform) und andere ukrainische Quellen in Blau (BigMir, Vesti, Ukrinform, Segognja, KorrespondenT und Timer) gekennzeichnet.
Die Übersetzung russischer Medien erfolgt in schwarzer Farbe.


 

 

Vormittags:

Interfax: Die 9 schwerkranken Kinder, die gestern zur Behandlung aus Novorossia nach Russland gebracht worden, seien ungesetzlich verschleppt worden, sagte das ukrainische Außenministerium und forderte von Russland, die Kinder wieder zurückzubringen.

Novorosinform.org: In Charkow fand gestern ein Flashmob der „Frauenbewegung von Charkow“ unter dem Motto „Von den Kindern des Donbass“ statt.
Die Frauen gingen auf die Straße mit Plakaten, auf denen Fotografien der während der Strafoperation getöteten Kinder zu sehen waren:
https://www.youtube.com/watch?v=J8FllDN_WoA (Anm. Redaktion: Video wurde auf Grund angeblicher Urheberrechtsverletzungen gelöscht.)
(Zusammenfassung des Interviews) Die Sprecherin erklärte, dass nicht gleichgültig bleibenden Menschen doch wissen, dass es sich nicht um eine Anti-Terror-Operation, sondern um einen Genozid an der Zivilbevölkerung des Donbass handelt. Die Gruppe veranstalte diese Aktionen, damit die Menschen in der Ukraine nachdenken und sich vereinigen, um einen Stopp der Kriegshandlungen und unverzügliche Verhandlungen durchzusetzen. Wenn unschuldige Kinder sterben, so sei das mit nichts zu rechtfertigen, nicht durch politische, nicht durch ökonomische Argumente.

Novorosinform.org: 12 Faschisten aus der weißrussischen Einheit „Pogonja“, die an der Seite der ukrainischen Nationalgarde kämpft, sind im Kampf vor Donezk getötet worden.
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Novorosinform.org: Die Ukrainer ungarischer Nationalität wollen nicht im Donbass kämpfen. Dies wurde auf einer Protestveranstaltung in Budapest vor der ukrainischen Botschaft erklärt. Die Aktion organisierte die Partei „Für ein besseres Ungarn“, die nicht einverstanden ist mit der Rekrutierung von Ungarn und Ruthenen aus Transkarpatien für den Krieg in Osten des Landes. Außerdem forderten die Teilnehmer die Anerkennung des Referendums über die Autonomie Transkarpatiens von 1991 durch Kiew.

Timer.ua: Skandal: Die Feuerwehr ignorierte am 2 Mai eine halbe Stunde lang die Hilferufe vom Schnepfenfeld. Einer Online-Zeitung liegen die Aufzeichnungen der Telefongespräche des Feuerwehrnotrufs Odessas vor.
Der erste Anruf kam 19.35 Uhr, als die Zeltstadt auf dem Schnepfenfeld anfing zu brennen. Der Diensthabende weigerte sich jedoch, die Fahrzeuge ausrücken zu lassen. In seiner Begründung heißt es „das alles auf einem freien Platz brennt, es besteht für niemanden eine Gefahr“.
19:45 Uhr traf die erste Meldung vom Brand im Gewerkschaftshaus ein, in den darauffolgenden 10 Minuten eine Vielzahl weiterer Anrufe dazu.
Erst 19.56 Uhr rückte das erste Fahrzeug aus. Es benötigte gute 13 Minuten bis zum Schnepfenfeld.

Rusvesna.su: Erneut sind Mitarbeiter russischer Medien im Osten der Ukraine verhaftet und entführt worden. Sie sollen von Mitgliedern des Rechten Sektors im Bataillon „Schachtjorsk“  der Nationalgarde verschleppt worden sein.

Dnr-news: Donezk nach dem Beschuss am 09.08.2014, ein Video: 

(Da erinnert man sich doch gern an das Versprechen der Regierungstruppen erst vor einigen Tagen, dass Donezk und Lugansk nicht mit Artillerie beschossen werden – Anm. d. Übersetzers)

Rusvesna.su: 6 Zivilisten sind in den letzten 24 Stunden durch den Beschuss von Lugansk verwundet worden, unter ihnen eine Schwangere und ein 6jähriges Mädchen. Das Mädchen erlag im Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen.

Rusvesna.su: Gewöhnlicher Faschismus – wie das Bataillon „Dnepr“ Verdächtige verhaftet. Ein Video, von den Kämpfern des Bataillons selbst aufgenommen und ins Netz gestellt, erzählt von den ungesetzlichen Handlungen des faschistischen Systems in der Ukraine.
Wenn Leute mit Masken am helllichten Tag ins Haus eindringen, einen Unbewaffneten, der keinen Widerstand leistet, zusammenschlagen und ihn in ein Auto werfen und das Ganze filmen und ins Internet stellen, damit jeder weiß: hier in das Bataillon „Dnepr“ von Kolomoisky in Aktion, dann spricht das dafür, dass die Ukraine kein „europäischer“, kein
Rechtsstaat ist. Das ist faschistische Diktatur, deren Opfer jeder in der Ukraine werden kann.

RIA.de: Eine große Gruppe ukrainischer Militärs, die knapp einen Monat in voller Einkesselung im Süden des ostukrainischen Gebietes Lugansk befunden hatte, ist durchgebrochen und hat dabei große Mengen an Waffen zurückgelassen, wie RIA Novosti vom Volkswehr-Stab der „Volksrepublik Donezk“ (VRD) erfuhr.
„Die meisten der eingekesselten Militärkräfte sind am 7. und 8. August im Raum der Städte Sneschnoje und Krasny Lutsch durchgebrochen. Sie hatten sich dabei einen Schlag der Armee aus der Richtung Artjomowsk und Debalzewo zunutze gemacht“, so ein Sprecher des VRD-Stabes.
Nach Angaben der Volksmilizen haben die Militärs in der Einkesselung und bei deren Durchbruch große Verluste hinnehmen müssen. Von den 5000 bis 6000 Soldaten, die in eine Einkreisung geraten seien, seien höchstens 1000 durchgekommen, hieß es.
Die Volkswehr will rund 70 Waffenkomplexe der Armee, darunter 18 Mehrfachraketenwerfer „Grad“, Fla-Raketenkomplexe „Osa“ und 15 gepanzerte Fahrzeuge, erbeutet haben.

Dnr-news: Die Nationalgarde schenkt den Einwohnern der Stadt Slawjansk ein Konzert – ein Video.
(Beachtenswert sind zum einen die enorme Anzahl der Zuschauenden, zum anderen die Nahaufnahmen der glücklichen Gesichter. Nein, gedankliche Parallelen zum Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ sind völlig fehl am Platze – Anm. d. Übersetzers, der sich dieser ironischen Bemerkungen nicht enthalten konnte und dafür um Verzeihung bittet):

Nachmittags:

Novorosinform.org: Der Stab der Volksarmee der DVR meldet, dass es dem Feind gelungen ist, die Gruppierung Gorlowka-Donezk der Armee Novorossias vollständig einzukreisen. Damit sind alle Versorgungswege abgeschnitten. Die Kosakeneinheit des Atamans Kosyzin habe die Stadt Krasnyj Lutsch und kleinere Ortschaften kampflos aufgegeben und so die Problematik herbeigeführt.

rusvesna.su: In Weißrussland trafen sich die Vorsitzenden der ukrainischen, russischen und weißrussischen kommunistischen Parteien mit dem Präsidenten Lukaschenko, um die gegenwärtige Situation in der Ukraine zu erörtern. Dabei sprachen sie sich für ein „3+1“-Treffen unter Moderation des weißrussischen Präsidenten zur Beilegung des Konflikts in der Ostukraine aus.

novorosinform.org: Der Kreml hat die Vorwürfe der Ukraine, Russland würde seine Truppen in das Nachbarland vordringen lassen, energisch zurückgewiesen.

RIA.ru: Der Artilleriebeschuss aus Mehrfachraketenwerfern unterschiedlichen Typs von Donezk, Gorlowka, Lugansk und anderen Orten im Osten der Ukraine wird fortgesetzt.

Interfax: Nach Angaben des Bürgermeisters von Lugansk bleibt die Lage weiterhin kritisch. 7 Tage schon ohne Wasser, Strom und Mobilverbindungen und Festnetz.
Die meisten Geschäfte sind geschlossen, nur einige Apotheken haben geöffnet. Trotzdem kann vorerst noch in der Stadt Brot gebacken werden.

RIA.ru: Der Premier der DVR erklärte heute, dass die Volksmiliz bereit zu einem Waffenstillstand sei, um eine weitere Ausdehnung der humanitären Katastrophe im Donbass zu verhindern. Er betonte die Hoffnung, dass die Weltgemeinschaft auf die blutrünstigen Kiewer Machthaber einwirken werde. Sachartschenko räumt zugleich ein, dass die Volkswehr im Falle einer fortgesetzten Aggression der ukrainischen Armee „bei einem beliebigen Kräfteverhältnis und unter beliebigen Verhältnissen“ kämpfen wird.

novorosinform.org: Die Lage an der Front ist für die DVR schwierig. Der Feind konnte ins Hinterland einbrechen, da in den Städten abseits der Front nur Kämpfer mit leichten Waffen stationiert waren, die gegen einen Panzerangriff wirkungslos sind. Dadurch ist die Gefahr der Einkesselung von Donezk und Gorlowka sehr groß. Die Volksmilizen leisten erbitterten Widerstand und gehen zum Gegenangriff über, da der Ausgang der Kämpfe nicht nur operative, sondern auch strategische Bedeutung für die DVR hat.
Die Höhe von Saur-Mogila selbst konnte vom Feind bis jetzt nicht genommen werden, jedoch werden die Einheiten der Volksarmee von Novorossia vom Fuße des Berges schwer beschossen und hat große Verluste erlitten.

RIA.de: Rund 3500 ukrainische Militärs, die an der Grenze zwischen dem Gebiet Donezk und Russland eingekesselt worden waren, gelten als vermisst und sind möglicherweise gestorben, wie RIA Novosti von einem ranghohen Mitarbeiter des ukrainischen Verteidigungsministeriums erfuhr.
„3427 Militärs gelten laut unseren Erfassungsunterlagen als vermisst und sind wahrscheinlich tot. Es besteht faktisch keine Hoffnung mehr, dass jemand aus der 72., 24. und 51. Brigade (mot.), der 79. Flugzeugbrigade und dem 3. Regiment der Spezialkräfte am Leben geblieben ist. In den vergangenen zwei Wochen sind nur vier Gruppen von sieben bis 18 Personen aus der Einkesselung ausgebrochen“, so der Gesprächspartner der Agentur.
Der Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums bezweifelte, dass die auf den Gefechtsfeldern zurückgelassen Waffen vernichtet worden seien. „…In der vergangenen Woche haben wir Bewegungen zahlreicher SPz und Panzer mit ukrainischen Symbolen und Dienstnummern in Richtung Donezk und Schachtjorsk beobachtet“. Nach Meinung des Beamten sind die von den Militärs zurückgelassenen Waffen intakt und von den Volksmilizen übernommen worden.

ITAR-TASS: Der Organisator der Kundgebungen zur Unterstützung der Förderalisierung Anton Dawidschenko wurde zu 5 Jahren Haft verurteilt. Er muss außerdem die Verfahrenskosten in Höhe von 25.000 Griwna zahlen. Ihm waren 3 Jahre auf Bewährung angeboten worden, wenn er sich schuldig bekennt, sagte sein Anwalt. Dawidschenko lehnte dies ab.

RIA.ru: Die DVR zahlte den Familien der gefallenen Mitglieder der Volksmiliz und den Verwundeten eine Unterstützung aus.

Abends:

Novorossia.su: Die Kämpfe im Gebiet um die Stadt Krasnyj Lutsch dauern an. Der Volksmiliz gelang es, einige Ortschaften wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Aber der Feind weitet seinen Angriff aus.

RIA.ru: Mehr als 400.000 Menschen in Gebiet Donezk haben infolge der Kampfhandlungen kein Wasser.

Novorosinform.org:
Ein Appell der Donezker Ärzte
Wir, praktizierende Ärzte verschiedener Fachrichtungen, wollen eine wichtige Mitteilung machen: die Krankenhäuser in Donezk und im Donezker Gebiet können im Winter nicht beheizt werden. Diese sehr ernste Situation wurde hervorgerufen durch die Zerstörungen der Infrastruktur infolge der unbegrenzten Bombardierungen unserer Städte durch die ukrainische Artillerie. Darüber hinaus wurde die Lieferung von russischem Gas deutlich reduziert. Die Verantwortung dafür liegt voll und ganz bei der undurchdachten Politik der neuen selbsternannten Regierung von Kiew.
Es gelingt aufgrund der Umzingelung der Stadt durch ukrainische Militärs nicht, ausreichend humanitäre Hilfe und Ausrüstung in die Stadt zu bringen. Wenn bis zum Beginn der Heizperiode das Gasproblem nicht gelöst ist, dann erwartet uns eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.
Wir wenden uns an die ganze Welt, an die Internationale Gemeinschaft und, natürlich, an Russland, auf dessen Hilfe wir hier alle besonders zählen.
Stoppt den Genozid an der Bevölkerung des Donbass!

Interfax: Der regionale Kadyrow-Fond Tschetscheniens hat erneut 9 LKW mit Hilfsgütern im Werte von 7,5 Mio Dollar nach Lugansk geschickt. Zuvor waren aus Tschetschenien schon Dieselgeneratoren in Lugansk angekommen, die es möglich machen, trotz fehlender Stromversorgung die Verletzten zu operieren.

Novorosinform.org: In einem Telefongespräch mit der deutschen Kanzlerin Merkel schlug Poroschenko vor, eine humanitäre Mission nach Lugansk zu schicken. Diese sollte zwar international, jedoch ohne bewaffnete Begleitung sein, außer durch ukrainische Militärs, die für die Sicherheit sorgen werden. Außerdem erörterten die beiden Möglichkeiten der Teilnahme Deutschlands an dieser Mission. Merkel merkte an, dass diese Mission nur über Kanäle der UNO oder des Roten Kreuzes und mit Einverständnis der ukrainischen Seite stattfinden dürfe.
Wir erinnern unsere Leser daran, dass Poroschenko heute Morgen die erste Hilfslieferung in Form einer Grad-Rakete zu einem Kindergarten schickte. Die Kinder haben sich darüber so sehr gefreut, dass einige von ihnen vor Glück einfach starben.

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3 Gedanken zu “Presseschau vom 09.08.2014

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