Presseschau 20.05.14 Teil 2


Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, russland.ru,, hinzu kommen Informationen aus der städtischen Onlinezeitung von Slawjansk Slavgorod und Slawjansk Delowoj sowie ukrainische Medien BigMir, Vesti, Ukrinform, Segodnja und Timer.
Die ukrainischen Regionalmedien sind eindeutig nicht pro-russisch, liefern jedoch ebenfalls interessante Einblicke ins Geschehen.
Zur Unterscheidung russischer und ukrainischer Nachrichten sind ukrainische Medien farblich, in Rot (Slavgorod und Slawjansk Delowoj) und Blau (BigMir, Vesti, Ukrinform, Segognja und Timer) gekennzeichnet.


 

• Russland.ru: Die südostukrainischen Separatisten haben einen neu aktiven und sehr mächtigen Gegner: Rinat Achmetow – einen Oligarchen und den mächtigsten Industriellen des Donbass. Heute organisierte er gegen die Separatisten gerichtete Kundgebungen, Kurzstreiks und ein Hupkonzert.
(Aufgrund der sehr verzerrten Darstellung der heutigen Aktionen gerade in deutschen Mainstream-Medien haben wir uns wieder bemüht, ausschließlich anhand ukrainischer Quellen zu ermitteln, was heute dort geschehen ist;; als einzige nichtukrainische Quelle dient die Tagesschau)
Die übrigen ukrainischen Oligarchen hatten sich bereits zum Zeitpunkt des Euromaidan-Umsturzes auf dessen Seite geschlagen und bekleidet heute mächtige Posten als Gouverneur oder Präsidentschaftskandidaten. Achmetow, der viele Jahre Janukowitsch unterstützt hatte, hielt sich zunächst bedeckt und trat sogar einmal vor mehreren Wochen in Donezk als Vermittler auf. Doch das hat sich geändert – und auch Achmetow wird jetzt massiv gegen die separatistische Volksrepublik Donbass aktiv. “Er hat erkannt, dass die Donbass-Republik sein Geschäft gefährdet” zitiert die Kiewer Onlinezeitung Politnavigator den russischen Experten Modest Kohler in einem Artikel. Im Falle einer dauerhaften Abspaltung ohne Anerkennung im Westen ist sein Großkonzern ernsthaft in Gefahr und in der Führung dieses isolierten Staates würde er keine Rolle spielen.
High Noon – Achmetow offensiv, Tagesschau sekundiert
Heute um genau 12 Uhr schritt Achmetow deshalb zur Aktion und startete im Donbass Kundgebungen, einen kurzen Warnstreik und ein Hupkonzert gegen die Donbass-Volksrepublik. Das deutsche Presseorgan der Euromaidan-Regierung, die Tagesschau, war des Lobes voll. Unter der Überschrift “Ukrainer setzen Zeichen gegen die Separatisten” schreibt sie davon dass “Zehntausende” im Donbass dem “überraschenden Aufruf (…) zum Widerstand gegen die prorussischen Separatisten” folgen.
Anderes Bild in ostukrainischen Medien
Vor Ort freilich schauen die Meldungen – wie so oft – etwas anders aus. So fanden sich am Kundgebungsplatz des Stadions in Donezk gerade einmal 400 Leute ein (Fotos). Wie viele Leute sich an einem Hupkonzert beteiligen, ist schwerer zu schätzen und hier gibt es von örtlichen Journalisten keine verlässlichen Angaben. Bei den Streiks wird die Beteiligung in der Tat groß gewesen sein, da der größte örtliche Arbeitgeber selbst dazu aufrief, nicht zu arbeiten.
In Mariupol sei das Echo auf die Aktion, die mit viel wirtschaftlicher Macht angeleiert wurde, nicht so groß wie erwartet gewesen. Viele Firmen hätten sich geweigert sich zu beteiligen, der geplante Start der Aktion, ein Hupen zahlreicher Fabriksirenen sei deshalb ausgefallen, schreibt unter anderen die Charkower Onlinezeitung Nahnews. Fabrikarbeiter seien von ihren Arbeitgebern, die häufig von Achmetow abhängen, zu den Kundgebungen laut örtlicher Meldungen geschickt worden – wie die Onlinezeitung Politnavigator aus Kiew berichtet, die ansonsten kein Freund der separatistischen Bewegung im Donbass ist. Mariupol spielt für Achmetow eine besondere Rolle, da er hier quasi eine Art örtliche “Waffenruhe” zwischen Armee und dortigen Separatisten ausgehandelt hatte, nachdem bei einer dortigen Militäraktion viele Menschen zu Tode gekommen waren. Zeitungen, die dem Euromaidan wohlwollend gegenüber stehen, wie die Mariupolnews, berichten natürlich ausführlich über die Aktionen und anhand ihrer Fotos lässt sich gut abschätzen, wie viele Menschen teil nahmen und ob sie direkt von ihrer Arbeit geschickt wurden.

Ahmetov-2005.jpg Ahmetov-2005-2.jpg

• RIA: Kiew wird seine Truppen vom Osten der Ukraine abziehen, erst nachdem die „illegalen Formationen“ die Waffen gestreckt und alle besetzten Gebäude geräumt haben. Das geht aus dem am Dienstag von der Werchowna Rada (Parlament) angenommenen „Memorandum für Frieden und Eintracht“ hervor.
In dem Papier wird auch die Freilassung aller „Geiseln“ gefordert. „In diesem Fall wird die Rada die Sicherheitskräfte ersuchen, die Militärs, die an einer Sonderoperation im Osten des Landes teilnehmen, in ihre Kasernen abzuziehen“, hieß es.
Unterdessen hatte die selbsternannte Volksrepublik Donezk die Bereitschaft zu einem Dialog mit Kiew signalisiert. „Aber zuerst sollte Kiew die Truppen aus dem Osten abziehen und mit der Realisierung des am Dienstag vom Parlament gebilligten ‚Memorandums für Frieden und Eintracht‘ beginnen“, sagte der Vizekommandeur der Volksmiliz in Donezk, Miroslaw Rudenko.
Bislang sehe er aber keine Anzeichen dafür, dass die ukrainische Armee Bestimmungen des Memorandums erfülle. „Sollte das Dokument verwirklicht werden, könnte sich dies möglicherweise auf die Situation im Osten auswirken“, sagte Rudenko.

• Russland.ru:Auch Kramatorsk wird heftig beschossen.
Von den Zerstörungen dort gibt es ein Video:

• ITAR-TASS: Die Partei der Regionen berichten von Bedrohungen durch Radikale.

• ITAR-TASS: Künftig soll jeder Bürger der Ukraine Waffen tragen dürfen, beantragte heute die Swoboda-Partei in der Obersten Rada.

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